Walter Scherb jun. im großen REGAL-Gespräch

Die neuen Pläne bei Spitz

  • Hoher zweistelliger Millionenbetrag Invest
  • Fünf Fokus-Kategorien
  • Innovationskurs

Seit Jänner 2019 hat Walter Scherb jun. den Chefsessel bei Spitz übernommen. Der 29-Jährige präsentiert die dritte Generation der Eigentümerfamilie, erstmals steht nun seit langer Zeit wieder ein Familienmitglied an der Spitze des Unternehmens. REGAL gegenüber legt der ehemalige McKinsey Berater, der zudem an der renommierten London School of Economics den Master in Finance and Private Equity absolvierte und seit drei Jahren im Unternehmen tätig ist, seine Pläne für die Neuausrichtung des Unternehmens auf den Tisch. Der Wind der Innovation weht. Bei den Getränken definiert der passionierte Sportler fünf Fokus-Kategorien: Teegetränke, Functional Drinks, Energy Drinks, Sirup sowie Mineralwasser/Next Generation Near Water. Mit einem Investment eines hohen zweistelligen Millionenbetrages hält Scherb jun. das Unternehmen zukunftsfit. Mit seiner Investmentfirma Square One Foods nutzt der Musikliebhaber das Innovationspotenzial von Start-Ups.

REGAL: Sie waren acht Jahre in London an der renommierten London School of Economics. Sie waren bei McKinsey Berater, diese zählen ja in der Beraterbranche zu den Bestverdienern. Warum Spitz in Attnang-Puchheim?
Scherb jun.: Es stimmt. So kann ein Unternehmen schon mal für ein dreiköpfiges McKinsey-Team pro Woche einen sechsstelligen Betrag bezahlen. Natürlich wäre McKinsey eine Option gewesen, aber wenn man schon ein 160 Jahre altes Familienunternehmen hat….In mir steckt das Unternehmergen. Nach einem Jahr bei Spitz wollte ich eigentlich wieder gehen, aber es hat mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin.

Wo geht’s denn künftig hin mit Spitz?
Wir fahren das größte Investitionsprogramm seit den 70er Jahren. Im Rahmen eines 5-Jahresplans investieren wir einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Das betrifft alle Bereiche, vor allem aber die Getränke, für die wir rund die Hälfte des Investitionsvolumens aufwenden. Die andere Hälfte teilt sich auf die Bereiche Süß- und Backwaren, Süß/Sauer, Markenorganisation auf. Bei den Getränken verdoppeln wir die Kapazitäten. Speziell für B2B und den Export forcieren wir innovative Teegetränke auf natürlicher Basis. Wie bei allen Kategorien haben wir die Wertschöpfungskette zu einem Großteil selbst in der Hand. Wir brühen den Tee selbst.

Seit Jänner 2019 ist Spitz 100% Eigentümer bei Gasteiner. Was ist dort geplant?
Bei Gasteiner planen wir ein Near Water Getränk der nächsten Generation in einem völlig neuen Gebinde. Es wird ein
Schritt in Rich­tung Natürlichkeit gehen. Insgesamt haben wir bei Getränken fünf Fokus-Kategorien definiert: Teegetränke, Functional Drinks, Energy Drinks, Sirup, Mineralwasser/Next Generation Near Water. Der Schwerpunkt liegt auf Neugeschäft.

Sie fahren als Eigenmarkenproduzent einen Kurs mit 70% Eigenmarke, der Rest auf Marke. Wird sich das Verhältnis ändern?
Wir fördern beide Bereiche. An dem Verhältnis wird es keine nennenswerten Änderungen geben. Wenn es als Marke besser passt, machen wir es unter der Marke.

Wie wollen Sie sich künftig in Richtung Handel und Industrie aufstellen?
Hier geht es darum, gemeinsam erfolgreich zu sein und eine Win-Win-Situation anzustreben. Wir wollen uns künftig vom reinen Kunden-Lieferanten-Verhältnis hin zu strategischen Partnerschaften aufstellen und gemeinsam Produkte entwickeln und designen. Unter dem unternehmensintern definierten „Nordstern Kundenorientierung“ setzen wir die beiden Säulen Mitarbeiter und Technologie. Die Basis bildet die Nachhaltigkeit, etwa bei Verpackung und Rohstoffen. Wir erfüllen schon jetzt alle EU Vorgaben bis 2025. Bei den Mitarbeitern setzen wir vermehrt auf interne Schulungen. Wir können heute nicht mehr warten, bis wir die richtigen Mitarbeiter bekommen, wir bilden selbst aus. Der dritte Schwerpunkt betrifft die Technologie. Wir müssen nicht nur effizient produzieren, sondern wir wollen auch innovativ produzieren.

Gibt es eine Innovationsquote?
Wir fassen Innovationen unter dem Begriff „proaktive Projekte“ zusammen. Wir wollen in unseren vier Bereichen Getränke, Süß- und Backwaren, Süß/Sauer, Markenorganisation eine bestimmte Anzahl an Innovationen umsetzen. Der Anteil der Innovationen am Umsatz bewegt sich hier zwischen 10 und 15%.

Wie reagieren Sie auf den Anti-Zucker Trend?
Hier setzen wir auf allmähliche Zuckerreduktion und rezeptieren den Zuckeranteil kontinuierlich heraus, um den Konsumenten an den Geschmack zu gewöhnen.

Sehen Sie noch im Export Wachstumsmöglichkeiten?
Derzeit haben wir eine Quote von rund 50%. Die Kernexportmärkte liegen innerhalb eines Radius von 500 Kilometern. Potenzial sehe ich insbesondere noch in Deutschland, der Schweiz und in Osteuropa, u.a. Tschechien. Ungarn beobachten wir auch genau.

Zukäufe geplant?
Ja. Demnächst wird es hier etwas geben. Wir verhandeln gerade mit einem österreichischen Unternehmen. Generell müssen die Unternehmen kulturell zu einem Familienunternehmen wie Spitz passen und auch das Sortiment muss natürlich passen.

Das Geschäftsjahr endet jetzt gerade mit März. Wo landet man?
Wir planen kein utopisches Wachstum, Ziel ist ein mittlerer einstelliger Prozentbereich.

Mit den zwei Partnern Andre Schneider und Michael Goblirsch haben Sie 2018 die Investmentfirma Square One Foods gegründet, die sich speziell um Start Ups kümmert. Wie ist hier der Stand?
Wir agieren mit einem eigenen Team und von Spitz völlig eigenständig. Unser Mehrwert-Modell basiert auf drei Säulen: Mentoring/Coaching beinhaltet u.a. Listungsgespräche, Distri­bution, Finan­zierungsstruktur. Die Säule Handels-Kooperationen umfasst zum Beispiel Zertifizierungen. Die dritte Säule umfasst Produktionssynergien mit Spitz, Rezeptoptimierungen, F&E. Wir sind nur mit Minderheitsbeteiligungen engagiert, das geht von 10 bis 25%. Die operative Umsetzung obliegt dem Team. Wir haben uns auf innovative Lebensmittel spezialisiert und sind gerade auf vielen Lebensmittelmessen und Start Up Messen unterwegs. Unser Netz reicht bis nach Skandinavien, England, Deutschland, Schweiz. Wir haben 70 Bewerbungen von Start Ups pro Monat. Sechs sind mittlerweile in unserem Portfolio.

Welches sticht hervor?
Das junge Start Up Saturo ist im Bereich Meal Replacement Drinks aktiv und bisher nur im Online-Vertrieb erhältlich. Die Umsatzgröße liegt im siebenstelligen Bereich. Wir wollen die Kategorie im Handel etablieren.

Kommt ein Spitzenmanager noch zu seinen Hobbies?
Ausgleich finde ich im Kraftsport, Laufen, Rudern, in der Familie, bei Freunden. Musik liebe ich über alles. Ich habe einmal E-Gitarre gespielt und überlege, die Firmenband wieder aufleben zu lassen.

Danke für das Gespräch.

R.F.