Wie wird sich die FMCG-Branche entwickeln? Nachgefragt bei Horváth & Partners

„Marken bieten Halt“

  • Transparenz der Warenbestände
  • Verbraucher steht im Mittelpunkt

Über 20 Jahre war Andreas Unruhe bei Dr. Oetker. Vor knapp einem Jahr wechselte er die Seiten, von der Markenartikelindustrie zur Beratung. Er ist seither bei Horváth & Partners für den Bereich Handel und Konsumgüterindustrie zuständig – ohne der „typische Berater“ zu sein, wie Unruhe betont.

REGAL: Die große Frage, die alle Unternehmen in ihrem täglichen Handeln und in ihren Investitionen beschäftigt: Wo geht die Reise künftig hin, Herr Unruhe?
Andreas Unruhe: Megatrends, die wesentlich Einfluss haben (werden) auf den Konsum 2030 sind Digitalisierung und Vernetzung, ebenso wie Nachhaltigkeit, Individualisierung, bewusste Ernährung und eine Gesellschaft, die sich im Wandel befindet.

Was bedeutet das konkret für Händler und Hersteller?
Weg vom Denken in Produktkategorien hin zu Produktbedürfnissen. Der Verbraucher steht im Mittelpunkt. Amazon hat vorgeführt, wie das geht. Eine weitere Folge: Unternehmen müssen bereit sein zu kooperieren. Joint Ventures sind gefragter als je zuvor.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für den stationären Handel?
Er wird weiterhin Bedeutung haben. Und es wird weiterhin einen preisorientierten Wettbewerb geben. Die größte Herausforderung ist aber nicht etwa der Online-Handel, sondern die digitalen Auswirkungen im stationären Handel.

Ein Beispiel?
Ein Großteil jedes Einkaufskorbes ist standardisiert. Digitalisierung macht nun zum Beispiel möglich, dass ich meinen vorgefertigten Einkaufskorb abholen kann. Außerdem: Ein Händler, der seine Bestände transparent und digital organisiert hat, kann seine Kompetenz auch in weitere Kanäle tragen. Transparenz über Warenbestände haben heute nur ganz wenige.

Wie bewerten Sie den steigenden Eigenmarken-Anteil?
Es kann aus Hersteller-Sicht sehr interessant sein, eine gesamte Kategorie zu beherrschen. Marken sind noch immer Innovationsführer und -treiber. In Kategorien, wo eine Innovationsrolle nicht mehr erforderlich ist, können Herstellermarken allerdings ins Straucheln kommen.

Hat die Industrie schon verstanden, was selbstständige Kaufleute bewegen können?
Das weiß ich nicht, aber ich würde ihnen raten, es zu verstehen. Gerade die Selbstständigen haben die Chance, die Verbraucher abzuholen und das Sortiment entsprechend auszurichten. Sie sind nah an der Ware und am Konsumenten.

Danke für das Gespräch.