REGAL sprach mit der Nachhaltigkeits-Spitze der Spar über aktuelle Kampagnen und Pläne

Nachhaltigkeit: Die Spar Strategie

  • Zucker-Einsparung, mehr Natural Branding, ­wieder­verwendbare O&G-Sackerl, E-LKW weiter im Test
  • Ein Prozent Verderb

Regal: Frau Wieser, Sie sind Head of CSR bei Spar. Wie leicht ist dieser Job in Zeiten wie diesen?
Carmen Wieser: Nicht immer einfach. Egal ob Gentechnik, Glyphosat, Palmöl oder Zucker – es geht grundsätzlich darum, klare Haltung zu beziehen. Damit machen wir uns als Spar nicht immer zu Everbody‘s Darling. Wir sehen uns in erster Linie als Anwalt der Konsumenten, als prälegislative Umsetzer, der Dinge fordert, noch bevor es ein Gesetz dazu gibt.

Was ist der Status Quo in Sachen Palmöl?
93 Prozent unserer Eigenmarken, also rund 5.000 Artikel, waren schon immer ohne Palmöl. Jetzt sind wir bei 99 Prozent angekommen und arbeiten an dem restlichen Prozent. Zertifiziertes Palmöl ist für uns ein unzureichender Standard. Hinzu kommt, dass Palmöl nicht gerade das hochwertigste Fett ist. Und: Palmöl ist auch zu einem Gesundheitsthema geworden – und dadurch noch stärker beim Konsumenten gelandet. Der Abtausch mit heimischen Ölen ist nicht immer einfach, aber möglich. Auch in der Markenartikel-Industrie ist das Thema angekommen.

Stark gepusht wurde zuletzt die Bewegung gegen zu viel Zucker. Rauch und Berglandmilch waren Unterstützer von Beginn an. Dr. Drexel rief die Produzenten zum Mitmachen auf.
Wir wollen eine Bewegung in Gang setzen, die es dem Konsumenten ermöglicht, sich weniger süß zu ernähren. Wir haben einen Brief an alle unsere Lieferanten geschickt und sie eingeladen, sich der Allianz anzuschließen. Das haben auch einige schon getan, etwa Danone, Emmi, Freistädter Bier, Egger, Kaffeetschi, Nestlé oder die Privatquelle Gruber.

Wie sieht so eine Beteiligung aus?
In einem ersten Schritt machen wir das Engagement auf zucker-raus-initiative.at sichtbar, außerdem forcieren wir Produktinnovationen mit weniger Zucker.

Bis 2020 sollen 1.000 Tonnen Zucker eingespart werden.
Viel Potenzial gibt es vor allem bei Molkereiprodukten und Getränken. Bei Getränken wurde seit 2017 bereits 285 Tonnen Zucker eingespart.

Unser Bundespräsident hat letztlich sein Okay zum Handelsabkommen Ceta gegeben. Ein Rückschlag?
Die Hoffnung ist nach wie vor, dass das Abkommen vielleicht ein Land nicht ratifiziert. Italien ist so ein Hoffnungsträger. Kanada versucht jetzt schon die EU-Grenzwerte für Neonicotinoide für Erdäpfel-Importe aufzuweichen. Ein derartiger Antrag liegt der EU vor. Das ist nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern auch wettbewerbsverzerrend für heimische Erdäpfel-Bauern.

Spar hat seit längerem biobasierte Mehrweg-Tragetaschen im Angebot. Ein Erfolg?
Lukas Wiesmüller: Wir haben bereits viele Aktivitäten rund um die Tragetaschen gesetzt und setzen auch weiter auf Plastik-Alternativen. Von der Natur pur Tasche aus Pflanzenölen bis hin zur biobasierten und abbaubaren Permanent-Tragetasche. 95 Prozent unserer Kundschaft kaufen bei ihrem Einkauf übrigens keine Tasche ein, sondern verwenden gar keine oder haben ihre eigene mit.

Wann wird in der O&G-Abteilung der Knotenbeutel vollständig abgelöst?
Wir setzen auf wiederverwendbare Sackerl, die aktuell nur mehr in Restbeständen vorhanden sind, weil die Nachfrage extrem groß ist. Die Nachlieferung kommt im Juni. Bisher sind 500.000 Sackerl im Umlauf. Wir haben uns dabei bewusst gegen Abbaubarkeit entschieden, um das Produkt für den Konsumenten preisgünstiger zu machen und damit die Hemmschwelle niedriger zu setzen.

Was ist in Sachen Verpackung geplant?
Wir analysieren laufend, wo wir Verpackungen reduzieren können. Ein Beispiel: Wir planen wieder etwas in Richtung Natural Branding.

Wo liegt die durchschnittliche Verderbsquote bei Spar?
Bei rund einem Prozent über das gesamte Sortiment, und das seit Jahren. Wir sind bestrebt, diese Anzahl aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen gering zu halten. Die 99 Prozent verkaufen wir, weil wir eine gut funktionierende Mengenplanung haben. Die automatische Mengenfindung nutzen auch immer mehr Einzelhändler. Je genauer die Bestellungen sind, desto weniger bleibt übrig.
Auch die Ziele für das Filialnetz sind klar gesteckt. Bis 2050 soll der Energie-Verbrauch um die Hälfte zurückgehen. Welche Schritte wurden bisher gesetzt?
Lukas Wiesmüller: Wir konnten seit 2009 bereits 40 Prozent der Treibhausgase reduzieren und sind auf einem guten Weg. 90 Prozent sind das Ziel. Die großen Themen in den Märkten sind LED-Beleuchtung und effiziente Kühlanlagen. Jeden neuen Markt rüsten wir mit einer zentralen CO2-Kälteanlage aus, deren Abwärme gleichzeitig für die Klimatisierung genutzt wird.

Ist eine Energieverbrauchs-Senkung nicht eine große Herausforderung, angesichts der Bereiche, die immer mehr Energie im Markt schlucken?
In der Tat. Wenn Sie von gleichem Komfortstandard und Kühlfläche ausgehen, senken wir den Energiebedarf deutlich. Aber natürlich entwickeln sich auch die Märkte weiter und steigende Convenience-Anteile und vermehrte Kühlung fressen einen Teil dieser Einsparungen wieder auf.

Wie viele Photovoltaik-Anlagen hat Spar bereits im Einsatz?
Wir bauen das Angebot massiv aus. Derzeit sind es rund 80 Stück in Österreich, neun in Italien, fünf in Kroatien und zwei in Slowenien. Im Vorjahr wurden 5.760 Megawatt produziert, Tendenz steigend. Es gibt ein eigenes Investitionsprogramm für Photovoltaik. Aktuell arbeiten wir an innovativen Systemen, mit denen wir die Energieversorgung auch für die Zukunft sichern.

Spar hat zwei E-Lkw im Test. Was sind die Ergebnisse bisher?
In Graz testen wir einen schweren E-Lkw von MAN für die reguläre Lebensmittelversorgung in der Stadt, in Wien einen Kleintransporter für die Nonfood-Citylogistik. Beide Tests erfüllen derzeit großteils unserer Erwartungen.

Nämlich?
In Graz übernimmt der E-Lkw die Belieferung der innerstädtischen Märkte. Das Fahrzeug wird im Schichtbetrieb auf mehreren Touren täglich eingesetzt und stößt auf reges Interesse im öffentlichen Raum. Auch das Feedback der Anrainer ist aufgrund der geringen Lärmbelästigung sehr gut. Der Kleintransporter versorgt Interspar-Märkte in Wien mit Hartware aus dem Simpex-Lager in Wiener Neudorf. Dennoch ist Ökonomie immer noch ein großes Thema. Diesel-Lkw sind nach wie vor im Verhältnis wesentlich kostengünstiger. Daher tauschen wir weiterhin jährlich rund 30 Lkw aus unserer Flotte auf den neuesten Euro6-Standard um. Seit 2019 übrigens mit Abbiegeassistent.

Danke für das Gespräch!

Verena Widl