REGAL Interview anlässlich des REGAL Jubiläums mit Spar ­Vorstands-Chef Präsident Dr. Gerhard Drexel

Spar-Präsident Drexel über Öffnungszeiten, Expansion und Over-Storing

Spar-Chef Drexel ist gegen eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf 76 Stunden pro Woche. Die größten Projekte sind heuer in Laibach (Center) und Padua (Logistik). Einen Einstieg in Rumänien oder Serbien hat Spar nicht vor. Die größten ­Herausforderungen der Zukunft: Over-Storing, der Kampf um ­Marktanteile, die Preisschlachten sowie gute Mitarbeiter.

REGAL: Das Magazin Regal wurde vor 45 Jahren gegründet. Wir ­blicken daher in dieser Ausgabe im Rahmen eines Schwerpunktes etwas zurück. Was würden Sie ­sagen, Herr Präsident, was waren die größten Meilensteine für Spar in den letzten 20 Jahren?
Dr. Gerhard Drexel: Es gab so viele ­Meilensteine für Spar in den letzten 20 Jahren! Ich versuche, die wichtigsten zusammen zu fassen:
1. Unsere konsequente Strategie des Wachstums und der Modernisierung mit dem erfreulichen Resultat, dass wir in Österreich von 2010 bis 2018 neun Mal in Folge Wachstumsführer im Bereich Supermärkte und ­Hypermärkte wurden;
2. die erfolgreiche Entwicklung unseres Auslandsgeschäfts mit starkem Wachstum in Italien, Ungarn, Slowenien und Kroatien;
3. die Gründung und der rasche Aufbau der SES Spar European Shopping Centers GmbH;
4. unsere bahnbrechende Entwicklung im Bereich Eigenmarken mit einem Umsatzanteil in Österreich von mittlerweile über 40% sowie
5. eine glückliche Hand bei Unternehmensakquisitionen sowohl im Inland (wie Meinl, Pampam, Maximarkt) als auch im Ausland (wie z.B. Übernahme von Billa in Kroatien).

Hätten Sie gedacht, dass die selbständigen Kaufleute im LEH-Geschäft eine derart wichtige Rolle spielen, in einem Wettbewerbs-Umfeld, das ja auch mit dem Diskont nicht einfach ist?
Wir haben immer auf die Kraft und Stärke unserer selbstständigen Spar-Kaufleute gesetzt. Die heutige Spar gäbe es nicht ohne unsere Spar-Kaufleute. Sie sind unsere Wurzel und unsere Herkunft. Und sie sind vor allem sehr erfolgreich: Allein im letzten Jahr erzielten unsere SPAR-Kaufleute auf der bestehenden Fläche ein Umsatzwachstum von + 3,3%. Im Vergleich dazu ist 2018 die gesamte LEH-Branche inkl. Expansion um nur + 1,6% gewachsen.

Worauf führen Sie den Erfolg der Spar-Kaufleute zurück?
Unsere Spar-Kaufleute haben seit vielen Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten permanent mit Hochdruck daran, ihre SPAR-Märkte zu erweitern und von Grund auf zu erneuern. Sie haben ihr Ohr ganz nah bei den Kunden. Für unsere Spar-­Kaufleute ist Kundenfreundlichkeit kein abstrakter Begriff, sondern authentisch gelebte tägliche Praxis. Ich persönlich – und da spreche ich für alle Führungskräfte der Spar – habe eine große Freude am Dialog mit unseren Kauf­leuten. Sie bringen sich mit vielen Ideen und Anregungen ein und sind für mich das Herz und lebendige Zentrum der Spar.

Was werden in den nächsten fünf Jahren die größten Herausforderungen in der Branche sein?
Die größten Herausforderungen für den Lebensmittelhandel in den nächsten Jahren sind zum einen das sogenannte „Over-­Storing“, das heißt, dass es aus betriebswirtschaftlicher Sicht in Relation zur Bevölkerung zu viele Supermärkte gibt; dann der Kampf um Marktanteile, der immer wieder zu irrationalen Preisschlachten führt. Als dritten Punkt sehe ich den Wettbewerb um die besten Talente, das heißt um die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die fortschreitende Digitalisierung ist ebenfalls eine große Herausforderung für die Branche.

Glauben Sie, dass der Diskont in ­Zukunft jene Rolle spielt, die er heute spielt, oder wird es dieses System aufgrund der zunehmenden Ausrichtung der Vollsortimenter in Richtung eines eigenen Sortiments im Preis-Einstieg schwer haben?
Mit unserer kultigen Eigenmarken-­Linie S-Budget haben wir vor über 11 Jahren eine sogenannte „Anti-Diskont-Waffe“ geschaffen. Das hat sicher mit dazu beigetragen, dass wir in den letzten zehn Jahren in Österreich wesentlich stärker gewachsen sind als der Diskont. Die Diskonter werden für sich die strategische Frage zu entscheiden haben, ob sie Diskonter bleiben wollen oder sich immer mehr zu preisaggressiven Supermärkten hinentwickeln wollen.

Bei so einem großen Handels­konzern wie Spar, fallen viele strategischen Entscheidungen. Hätte man mit Supermärkten in der Slowakei oder in Rumänien einsteigen sollen und können Sie sich Spar auch in Serbien oder Bosnien vorstellen?
In den nächsten Jahren haben wir weder das eine noch das andere vor. Wir verfolgen seit vielen Jahren die Strategie der Marktpenetration. Das heißt, wir verdichten unser Verkaufsstellennetz und steigern unsere Marktanteile in jenen Ländern, die wir derzeit bearbeiten: neben Österreich ist das Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Nord-Osten Italiens. Italien ist für uns der wichtigste Auslandsmarkt. Hier haben wir den Entschluss gefasst, die für uns neue Region Emilia Romagna zu erschließen. Allein dort leben viereinhalb Millionen Menschen, halb so viel wie in ganz Österreich.

Der Brutto-Verkaufsumsatz der gesamten Spar Österreich Gruppe, also inklusive Zentren, hat im Vorjahr erstmals die 15-Milliarden-Euro-Marke übertroffen. Wo sehen Sie noch Wachstumsmöglichkeiten?
Ich sehe Wachstumsmöglichkeiten in allen vier strategischen Geschäftsbereichen: Spar im Inland, Spar im benachbarten Ausland, Hervis sowie SES im In- und Ausland.

Wie läuft das Geschäft heuer?
Wir sind auch im heurigen Jahr 2019 mit allen vier erwähnten strategischen Geschäftsbereichen im Wachstumsmodus. Auch mit Spar im Heimatmarkt Österreich. Gemäß Halbjahresauswertung 2019 von AC Nielsen sind wir in Österreich auch im 1. Halbjahr 2019 wiederum Wachstumsführer.

Wieviele Neueröffnungen beziehungsweise Modernisierungen wird es heuer noch geben?
Unsere Modernisierungsoffensive, aber auch das Expansionstempo und -niveau bewegen sich heuer ungefähr im selben Rahmen wie im Schnitt der letzten Jahre. Die ­genauen Daten geben wir immer nach Ablauf des jeweiligen Jahres bekannt.

Wie hoch ist das Investitions-­Volumen der Spar heuer und was sind die größten Projekte, die 2019 beziehungsweise 2020 realisiert werden?
Wir werden in der gesamten Spar Österreich-Gruppe 2019 ein Investitionsvolumen von ca. 750 Mio. € stemmen. Zu den größten Investitionsprojekten 2019/2020 zählen der Bau eines top-modernen neuen Shopping-Centers in Ljubljana und eines neuen Logistikzentrums inkl. TANN-Fleischwerk südlich von Padua.

Treten Sie für eine Ausdehnung der wöchentlichen Öffnungszeit von 72 auf 76 Stunden ein oder ist die derzeitige Regelung ausreichend?
Ganz klare Antwort: Die derzeitigen 72 Stunden pro Woche sind ausreichend. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handel haben es verdient, ausreichend Zeit für Erholung und Regeneration zu bekommen. Auch ist es wichtig, dass der Sonntag – von Sonderstandorten abgesehen – geschlossen bleibt. Der freie Sonntag ist eine wichtige Verlangsamungs-Konstante für jeden Mitarbeiter und für jede Mitarbeiterin im Handel.

Im Burgenland sieht man, etwa beim Interspar in Eisenstadt, sehr viele ­Arbeitskräfte aus Ungarn. Das betrifft nicht nur den Handel, sondern auch den Dienstleistungsbereich. Wie zufrieden ist man mit der Tätigkeit dieser Arbeitskräfte?
Wir freuen uns über jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin, natürlich auch über unsere Mitarbeitenden aus Ungarn. Sie sind generell sehr fleißig, genau und freundlich. Im besagten Interspar in Eisenstadt beschäftigen wir 7 ungarische Mitarbeitende im Laden und 5 im Restaurant, also gesamt 12 Mitarbeiter aus Ungarn. Das entspricht ca. 10% der Belegschaft.

Heute wird auch in der Werbung ­Social Media immer wichtiger. Dabei rücken oft nicht mehr nur die Werbe-Strategie, ­sondern Algorithmen in den Vordergrund. Welche Linie verfolgt Spar in der Social-Media-­Werbung?
Mit unserer Social-Media-Präsenz sehen wir uns als Teil des Alltags der Österreicher und Österreicherinnen. Wir stärken mit unseren Botschaften einerseits das Vertrauen in die Marke Spar und machen andererseits Nutzer auf Social Media – mit attraktivem Content – zu Kunden in unseren­ ­Märkten. Die Verschmelzung von Online- und Offline-Retail – wie auch die optimale Verschmelzung von klassischer und digitaler Werbung – leistet dabei einen entsprechenden Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Wie wird das Programm der Spar zur Reduktion von Zucker von den Konsumenten angenommen?
Als Pionier in Sachen Zuckerreduktion haben wir seit Beginn unserer Initiative vor über zwei Jahren bereits über 700 Tonnen Zucker bei insgesamt 260 Eigenmarken­artikeln eingespart. Das Entscheidende dabei ist, dass wir in allen Fällen den eingesparten ­Zucker NICHT durch künstliche Süßstoffe ersetzt haben. Unsere Kunden sind begeistert über diese positive gesundheitspolitische ­Initiative der Spar.

Vielen Dank für das Interview.
Interview: Gregor Schuhmayer