Spar Vorstand Mag. Fritz Poppmeier

Kaufleute: Vorstoß der Spar

Spar: Interview mit Vorstand Mag. Fritz Poppmeier

  • Modernisierungen gehen weiter
  • Probleme bei Tourismus-Standorten und an Grenze zur Schweiz
  • Alle 700 Kaufleute haben Zugriff auf Interspar Sortiment
  • Weniger Frequenz an Tankstellen

Spar Vorstand Mag. Fritz Poppmeier spricht im REGAL Interview über Normalbetrieb auf hohem Niveau. Die Kaufleute modernisieren weiter. Die Tankstellen-Shops hatten weniger Frequenz.

REGAL: Inwieweit haben sich die Bedürfnisse der Kunden nach bestimmten Produkten in der Krise verändert, welche Warengruppen werden auch bei Kaufleuten bevorzugt gekauft, was etwas weniger?
Mag. Fritz Poppmeier: Innerhalb der Krisenwochen gab es verschiedene Bedürfnisse. Den Beginn machten auch bei den Kaufleuten die Bevorratungskäufe, bei denen vor allem die haltbaren Produkte sowie alles zum selber backen im Vordergrund standen. Dann gab es das Bedürfnis, die fehlende Gastronomie ein bisschen zu kompensieren, daher waren besonders die alkoholischen Getränke gefragt. Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Stabilität und Kontrolle zu spüren, das sich im Lebensmittelhandel über die starke Zuwendung zu regionalen Produkten ausdrückt. Je mehr sich die Lage wieder normalisiert, desto „normaler“ werden die Bedürfnisse der Kunden.

Die Spar Kaufleute haben sich mit der Hauszustellung im Ort sehr engagiert. Wie hoch ist der Anteil des Lieferservice bei einigen Standorten mittlerweile?
Manche unserer Spar-Kaufleute haben sich sehr mit einem Lieferservice im Sinne einer Nachbarschaftshilfe engagiert. Sie machen das mit der gleichen lokalen Verbundenheit, mit der sie sonst auch agieren und die ja einer ihrer größten Standortvorteile ist.

Einige ältere Leute haben früher als sonst ihren Zweitwohnsitz am Land bezogen. Dies kommt den Einzelhändlern sicherlich zugute. Aber der Tourismus wird im Sommer eher flau laufen. Sehen Sie hier Probleme auf den Handel zukommen?
Die Wintersaison war sehr gut und sie konnte fast bis zum Ende wirken, das ist auf jeden Fall positiv. Wie sich die Sommersaison entwickeln wird, ist derzeit sehr schwer einschätzbar. Aber natürlich ist mit fehlenden ausländischen Touristen zu rechnen. Dass das für alle nicht einfach wird, liegt auf der Hand. Sehr hilfreich wäre natürlich, wenn zumindest die Österreicher fleißig in Österreich Urlaub machen.

Per Ende 2019 wurden 687 Standorte von selbständigen Kaufleuten geführt, davon 604 Spar Supermärkte, 30 Eurospar und 53 Spar Express Tankstellenshops. Wie sehen Sie diese Entwicklung heuer? Wird es 2020 noch neue Standorte geben?
Die Entwicklung der Spar-Kaufleute ist sehr gut. Tourismusstandorte und auch die Standorte an der Schweizer Grenze haben aktuell eine spezielle Situation, die nicht einfach ist. Da wird man sehen, wie sich das entwickelt, wir sind aber positiv. Wir werden jedenfalls unseren Beitrag leisten, um unseren Kaufleuten zur Seite zu stehen. Die geplanten Eröffnungen wurden auch bei den Kaufleuten wie geplant durchgezogen: Soeben hat in Weyregg am Attersee Franz Reifetshammer einen komplett neuen Spar Supermarkt eröffnet und in St. Peter am Ottersbach in der Steiermark baut Thomas Rossmann, ein neuer Spar-Kaufmann, einen neuen Standort, der in Kürze eröffnet wird.

Werden angesichts der Krise viele Modernisierungen oder Vergrößerungen verschoben?
Nein, die bei den Kaufleuten geplanten Modernisierungen werden alle umgesetzt.

Haben die Kaufleute Zugriff auf das gesamte Interspar-Sortiment und inwieweit ist eine individuelle Sortiments-Gestaltung sinnvoll und wird diese auch genutzt?
Spar-Kaufleute nutzen die Belegpläne und Sortimentsvorschläge der Spar für ihren jeweiligen Betriebstyp. Darüber hinaus haben sie Zugriff auf das gesamte Interspar-Sortiment und pflegen oftmals auch eigene regionale Lieferanten. Das macht sie oft zur Nr. 1 am Standort.

Wie haben sich die Spar Express Tankstellen-Shops entwickelt, wird es heuer noch eine Expansion bei den Tankstellen-Shops geben?
Die Situation der Spar express-Tankstellenshops ist derzeit deutlich anders als die von den anderen Vertriebslinien. Durch den Lockdown wurden Tankstellen generell weniger frequentiert, das hat sich natürlich bemerkbar gemacht. Mittlerweile sind sie aber wieder gut auf dem Weg. Eine weitere Expansion mit SPAR express-Stand­orten ist geplant. Mit AP-Trading haben wir einen neuen zusätzlichen Partner gewonnen und soeben einen ersten Standort in Anthering eröffnet, weitere sind geplant. Auch mit Doppler läuft die geplante Expansion, hier werden die 15 Nah und Frisch-Standorte an Tankstellen auf Spar express umgestellt.

Darf ich abschließend noch fragen, Sie sind auch für die Logistik zuständig, welche Prozesse hat man in den letzten Wochen bereits in den Griff bekommen und welche Herausforderungen sind nach wie vor zu bewältigen?
Es waren die ersten 10 Tage, unmittelbar nach den Hamsterkäufen zu Beginn der Krise, für das gesamte System extrem herausfordernd. Diese enormen Warenbewegungen, verbunden mit dem Schließen der Grenzen, das hat uns alle Kraft gekostet. Aber letztendlich haben wir wieder einmal festgestellt, dass wir eine hochprofessionelle Logistik haben und nach gut einer Woche war alles wieder im guten Bereich. Mittlerweile haben wir seit mehreren Wochen wieder Normalbetrieb, aber auf hohem Niveau. An dieser Stelle gilt es auch, den Mitarbeitern in der Logistik zu danken. Sie sind für die Kunden nicht sichtbar und doch entscheidend für die gesicherte Warenversorgung. Unsere Mitarbeiter in Produktion, Verkauf und Logistik und unsere Spar-Kaufleute sind für mich echten Helden unserer Zeit.

Herr Vorstandsdirektor, vielen Dank!

Gregor Schuhmayer