Interspar-Geschäftsführer Mag. Markus Kaser verweist auf hohe Kosten beim Online-Handel

Interspar auf Erfolgskurs

Im nächsten Jahr geht Interspar in die Expansion. Wien Breitenfurter Straße und Schottengasse stehen auf dem Programm. Beim WU-Praxisdialog am WU Campus Wien (Handel & Marketing) gibt der Interspar-Boss die Linie bei Sortiment, Marken, Modernisierung sowie Online vor.

Mag. Markus Kaser. Ein Innsbrucker, der vor einigen Jahren den Chefposten bei Interspar von Mag. Seher übernommen hat. Kaser war zuvor Stellvertreter in der Geschäftsführung bei Interspar und ist schon viele Jahre (seit 1998) bei Spar dabei. „Urgestein“ sozusagen, oder „Eigenbau“, wie die Fußballer das zu sagen pflegen. Ein Erfolgsmann der Spar also mit Potenzial nach oben. Ein Pragmatiker, der mit viel Einsatz und strategischem Geschick, aber auch viel „G’spür“ für neue Ideen und richtige Entscheidungen, die Interspar prächtig auf Kurs hält.

Begeisterungsfähigkeit, davon hat Kaser (48) eine gehörige Portion mitgebracht. Vermutlich ein Grund, warum Interspar sehr gut auf Kurs liegt. 1,7 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Spar-Tochter im Vorjahr. Ein Plus von drei Prozent. „Wir sind zuversichtlich, diese drei Prozent Wachstum heuer zu übertreffen“, sagt Kaser beim WU-Praxisdialog. 73 Märkte umfasst das rot-weiß-rote Tannen-Netz in ganz Österreich.

Invest. Die Investitionsbandbreite für einen neuen Interspar-Standort beträgt zwischen 16 und 30 Millionen Euro. Der kürzlich in Amstetten eröffnete Markt kostete 21,5 Millionen. „Wir sind nicht die, die am billigsten bauen. Ein Bau muss eine Menschengeneration halten“, so Kaser. Er ist überzeugt: „Ein Problemstandort ist nicht deshalb einer, weil die Miete zu hoch ist, sondern der Standort an sich nicht passt.“

Maßnahmen. Eines betont Kaser mehrmals im vollen Hörsaal: Der Durchschnittsumsatz muss stimmen. Dazu gehören auch unterschiedlichste Projekte auf der Fläche, etwa „sMarktstandl“, wo Obst und Gemüse in mittlerweile 18 Standorten in Bedienung und ohne Verpackung verkauft wird. „Wir bieten hier spezielle Produkte an, die preislich über dem normalen Sortiment liegen.“ Aber auch „Von dahoam des Beste“ hebt die Durchschnittsumsätze. 6.000 Produkte von 800 Lieferanten.

Bedienung. Die Entwicklung der letzten Jahre haben einiges an Veränderung gebracht. „Dass wir Händler sind, haben wir immer schon gewusst. Aber unsere Funktion als Bäcker und Gastronomen ist uns erst durch den Mitbewerb bewusstgeworden.“ Die Abgrenzung von Backbox & Co. Eines der Key-Assets bei Interspar: Bedienung. „Um echte Bedienung kümmern wir uns seit einigen Jahren wieder ganz intensiv.“ Die große Kunst, etwa im wachsenden Frischfisch-Bereich, ist und bleibt die Mitarbeitersuche und der hohen Fluktuation entgegenzuwirken.

Restaurant. Die Devise für die 80 Gastro-Betriebe: Hausmannskost und Mediterranes, selbst Kochen, keine aufwendigen Zutaten, aber auch kein Tiefkühl-Gemüse. „Wir haben massiv an unserem Auftritt gearbeitet und sind jetzt weg vom Kantinen-Look. An der SB-Strategie halten wir allerdings fest.“ Eine schwarze Null und alles darüber sei akzeptabel.

Online. Glasklar sind Kasers Worte zum Thema Online. Die Umsätze seien gut, die Kosten allerdings auch enorm. „Alles, was rein online ist – etwa unsere Weinwelt – funktioniert sehr gut. Zustellung ist ein ganz anderes Thema. Wenn wir hocheffizient sind, kommen wir auf maximal 22 Euro Kosten pro Kunde. 22 Euro, die uns zurzeit noch niemand bezahlt“, führt Kaser anschaulich vor. Drei Millionen Kunden werden derzeit Online erreicht. „Viel mehr sollen es auch vorerst nicht werden, das würde uns ruinieren.“ Sobald der Kunden selbst ins Auto steigt, und die Ware abholt, sieht auch die Kalkulation besser aus. Dafür bietet Interspar Click+Collect an oder Vorreservierungen von Produkten, die im Markt abgeholt werden können. „Wir sehen beispielsweise auch unsere Rezeptionen nicht nur als Servicepoint, sondern auch als aktive Verkaufsstelle.“

Markenwelt. Der Blick auf die Markenpyramiden lässt schnell die wachsende Eigenmarken-Bedeutung bei Spar erkennen. 40 Prozent beträgt der Anteil inzwischen über alle Spar-Organisationen. „Nicht alle funktionieren gleich gut.“ S-Budget, Speerspitze im Preiseinstieg, mit 720 Artikeln bleibt weiter wichtige Gegenkraft zur Diskontwelt. „Das größte Wachstum verbuchen Spar Vital und Spar Natur Pur mit 900 Produkten und Steigerungen zwischen 15 und 20 Prozent in den letzten zwölf Jahren.“ Auch bei Spar Veggie zeigt die Kurve nach oben. Überhaupt seien Veganes und Vegetarisches Wachstumsraketen. „Auch bei Fleisch sind wir gut unterwegs. Die Menge stagniert, aber die Qualität geht nach oben und damit auch die Durchschnittsumsätze.“

Non Food. Wichtiges Zugpferd in der Non Food-Arena: Splendid und Splendid nature mit 140 Artikeln. Bei Non Food setzt Interspar in der Beschaffung unter anderem auf das zur Spar gehörige Import Export-Unternehmen Simpex.

Verena Widl, Gregor Schuhmayer