Rewe pusht die Nachhaltigkeit

Der Öko-Weg der Rewe

Back to the roots mit einem Schuss Futuristik. So könnte man die aktuellen nachhaltigen Bewegungen in den Obst- und Gemüseregalen beschreiben. Im Kampf gegen Plastik werden Lebensmittel wieder ausgepackt und gelasert oder – ganz aktuell – mit einer Schutzhülle überzogen.

Die Ziele des Handels sind hoch gesteckt. Zahlreiche Initiativen wurden schon umgesetzt. Die Verpackung hat sich langsam, aber dann mit voller Wucht, im Prioritätenranking nach vorne geschoben. Bei der Rewe ist Nachhaltigkeit an der Spitze verankert. Die Gesamtverantwortung liegt bei Vorstand Mag. Marcel Haraszti. Wesentliche Treiber im Team sind Mag. Tanja Dietrich-Hüber, DI Alfred Matousek, Mag. Alexander Hell oder Ja! Natürlich Chefin Mag. Martina Hörmer.

Nachhaltige Top-Themen. In Sachen Nachhaltigkeit ließ die Rewe 837 externe und interne Stakeholder 18 Themen nach Relevanz ranken. Die klare Nummer eins: umweltfreundlichere Verpackung. Danach reihen sich Tierwohl, Klimaschutz, faire Arbeitsbedingungen und ökologische Aspekte in der Lieferkette. Verglichen mit der letzten Befragung im Jahr 2014 nahmen letztere und umweltfreundlichere Verpackung deutlich mehr Gewicht ein. Beim Verpackungsthema nannte ein Großteil der Befragten Reduktion und Vermeidung von Plastik und den Einsatz von Kunststoffalternativen.

Umsetzung in der Frische. Das Thema ist auch in der Praxis angekommen. Unter dem Dach „Raus aus Plastik“ werden Ja! Natürlich- und „Echt B!O“-Obst bis Jahresende unverpackt oder umweltfreundlich verpackt angeboten. Batavia Salat schlüpft in eine Papiertüte, Mini Wassermelonen tragen einen Laserschriftzug. Bei Billa und Merkur kommen Mehrwegnetze aus Holz zum Einsatz. Paprika sind mit Papier- anstatt Kunststoffstickern beklebt. Doch leichtfertig soll nicht ausgepackt werden. „Wir sehen uns die Abschriften genau an. Bei den losen Karotten sind die Abschriften etwa stark angestiegen, das macht dann auch aus Sicht der Nachhaltigkeit keinen Sinn“, so Alexander Hell, Rewe Projektleiter für den Bereich Nachhaltigkeit. Bio-Karotten werden nun seit 2018 in einem Beutel, der zu 40 Prozent aus Distel- und Sonnenblumenöl besteht, verpackt. „Dadurch bleiben die Karotten sogar länger frisch“, so Hell.

Coating. Seit kurzem wird im Rewe-Lager in Inzersdorf der Überzug von Obst und Gemüse getestet, im Fachjargon Coating genannt. „Die in Frage kommenden Zusatzstoffe (E473 und E474) sind zur Oberflächenbehandlung von frischen Früchten zugelassen. Zellulose ist für diesen Zweck nicht zugelassen. In Ordnung ist es dann, wenn sie in dieser Mischung als technologischer Hilfsstoff zum Einsatz kommt“, sagt DI Josef Holzer von der LVA gegenüber REGAL. Die essbare Schutzschicht soll Produkte länger frisch halten und so den Verderb eindämmen. „Zumindest schauen die Produkte länger frisch aus, eine Konservierung im klassischen Sinn ist es aber nicht“, so Holzer. In den USA werden Früchte mit Coating bereits verkauft, vor ein paar Monaten hat auch die EU ihr Okay dazu gegeben.

Glas. Im Mopro-Regal fiel zuletzt die von Mondi kreierte neue Verpackung für Ja! Natürlich-Käse auf. Und im kommenden Quartal wird die Ja! Natürlich Milch in der Mehrweg-Glasflasche kommen. „Die Nachfrage nach Glas steigt. Der Konsument hat inzwischen auch gelernt, zwischen Einweg und Mehrweg zu differenzieren“, sagt Hell gegenüber REGAL.

Partybedarf umgestellt. Auch abseits von Obst und Gemüse setzt die Rewe ihre Schritte. An der Feinkost-Theke können etwa Kunden Ware in mitgebrachtem Geschirr mitnehmen. Umbrüche gibt es auch im Non Food Regal. „Wir haben den Partybedarf-Meter umgestellt und setzen auf Produkte aus wiederverwertbaren Materialien“, erklärt Merkur Vertriebsmanager Goran Savic bei einer Pressekonferenz in Amstetten. Kürzlich präsentierte nämlich im Merkur Markt Amstetten der Gemeinde Dienstleistungsverband Region Amstettten (GDA) sein neues Online-Tool „PlastikLOS“. Dieses unterstützt Bürger bei der Suche nach plastikfrei verpackten Produkten.

Umverpackung. Ein weiteres Thema im Fokus der Rewe: Umverpackung. „Wir sammeln, pressen und verkaufen die Materialien an Recyclingfirmen.“ Zuletzt wurde etwa Obermaterial aus recyceltem Polyethylen für Bio-Mehl getestet. Die Schrumpffolie aus Polyethylen besteht zu einem Drittel aus Recyclingmaterial. Das Ziel sind 50 Prozent Recyclinganteil.

Bio. Ein wichtiger Bereich im Rewe Nachhaltigkeitskarussell ist das Bio-Angebot. Seit 2012 liegt das definierte strategische Ziel in einem überproportionalen Wachstum des Bio Sortiments, verglichen zu konventionellen Artikeln. 2018 gelang dieses Vorhaben. Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg um rund 2,5 Prozent. Federführend dabei: Ja! Natürlich (knapp 50 Prozent Marktanteil) und Alnatura. Die Rewe Bio-Eigenmarke mit 1.100 Produkten ist für 75 Prozent des Bio-Umsatzes der Rewe Group in Österreich verantwortlich. Aber auch die Herstellermarken zogen mit Bio-Produkten ordentlich nach.

Flugblatt. Bio zieht seinen roten Faden auch in die Kommunikationskanäle. „Flugblätter sind nach wie vor das wichtigste Kommunikationsmittel im Lebensmitteleinzelhandel“, heißt es im Rewe Nachhaltigkeitsbericht. Zehn Bio-Produkte wurden durchschnittlich pro Ausgabe mitgenommen. Pro Quartal gab es im Schnitt zwölf Schwerpunktseiten mit Nachhaltigkeitsbezug. Besondere Schwerpunkte lagen 2018 auf den Themen Regionalität und Bio.

Energiemanagement. Eine wichtige Säule in der Nachhaltigkeitsstrategie ist Energie, Klima und Umwelt. Die größten Energiefresser sind Kältemittel, Beleuchtung oder etwa Kraftstoffverbräuche. Stromverbrauch hat mit 59 Prozent den größten Anteil am gesamten Energieverbrauch. Der Energieverbrauch soll pro Quadratmeter Verkaufsfläche kontinuierlich reduziert werden. Das Ziel ist hier klar gesteckt: Zwischen 2012 und 2022 soll eine Senkung um 9,35 Prozent kWh pro Quadratmeter erreicht werden. Dank LED und energieeffizienten Kühlsystemen konnte die Rewe bereits in 2018 ein Minus von 10,78 Prozent erreichen – und damit den Zielwert überschreiten. In ganzen Zahlen: Während es 2017 noch 460 kWh/m² waren, sank dieser Wert im Vorjahr auf 444,5 kWh/m².

Verena Widl