Mautner Markhof GF Jürgen Brettschneider

Mautner Markhof GF Brettschneider berichtet

2019 fährt Mautner Markthof mit einem Umsatzplus von sechs Prozent ein Rekordjahr ein. Für Geschäftsführer Jürgen Brettschneider führt die Wachstumskurve über Export und ­Innovationen. In den Standort Wien fließen in den nächsten drei Jahren acht Millionen Euro.

REGAL: Wie war die Entwicklung in den einzelnen Segmenten Food Service, Vertriebsmarken?
Brettschneider: Mit dem aktuellen Jahr sind wir durchaus zufrieden. Es war ein Rekordjahr. Wir konnten den Umsatz um sechs Prozent auf rund 54 Millionen Euro steigern. Für 2020 planen wir ein moderates Wachstum. Durch den heißen Sommer konnten wir 2019 vor allem im Getränkesegment mit unseren Sirupen punkten und solide wachsen. Auch unsere Vertriebsmarke Gatorade hat sich als gefragter sommerlicher Durstlöscher gezeigt. Unsere Marke für asiatische Produkte, AIKO, konnte ebenfalls zweistellig wachsen und profitiert vom Ethno Trend. Mit ­einem leichten Plus von zwei Prozent sind wir auch mit dem Food Service Geschäft zufrieden.

Sind Sie gegenüber neuen Vertriebsmarken offen?
Tabasco und Gatorade sind bei uns die größten Marken im Vertriebsportfolio. Wir wollen gerne neue Marken aufnehmen, sofern sie zu uns passen.

Wie lief es im Export?
Sehr gut entwickelt sich unser Exportgeschäft. Mit einem deutlichen Wachstum um die sechs Prozent konnten wir den Exportanteil schön ausbauen. Deutschland wächst am stärksten, hier wachsen wir vorwiegend mit der Marke Mautner. Da sehe ich noch weiteres Potenzial. Wir verzeichnen aber auch in den Ostländern schöne Zuwächse. Wir wachsen auch im Geschäft mit unser Mutter, der Develey Gruppe. Der Anteil liegt jetzt bei 22 Prozent. Für die nächsten Jahre sehe ich die Zielmarke bei 30 Prozent.

Ihre Innovationsstrategie?
Als Marktführer bei ­Essig, Kren und Senf gehört es zu unserem Daily Business, neue Produkte und Geschmacksrichtungen auf den Markt zu bringen. Wir wollen künftig bei Innovationen dynamischer, jünger auftreten. Unser firmeneigenes Innovationsteam, mit Mitarbeitern aus allen Abteilungen, bringt sehr engagiert Ideen für die Zukunft ein. Innovation bedeutet für uns aber mehr: es betrifft alle Abteilungen, Prozesse und Mitarbeiter des Unternehmens. Pro Jahr bringen wir rund fünf Neuheiten. Wir setzen bei künftigen Innovationen verstärkt auf Zusatznutzen und Mehrwert.

Aktuelle Pläne für Innovationen?
Der neue Bio Senf, mit dem wir erst heuer im Mai gestartet sind, ist unser erstes Bioprodukt im LEH und ist ein echtes Erfolgsprodukt. Der Trend zu Bio ist da, wobei Regionalität schon fast mehr Bedeutung hat. Für den Bio Senf beziehen wir die Senfsaat aus dem Waldviertel. Hier punkten wir mit Regionalität. Wir setzen nach unserem Bio Senf weiter auf den Bio Trend und lancieren ab Februar/März einen unpasteurisierten Bio Apfel Essig mit lebenden Essigsäurebakterien Damit bieten wir für den Konsumenten einen echten Zusatznutzen. Die Äpfel kommen aus Österreich.

Sehen Sie noch weiteres Potenzial bei Mautner für Bio?
Ja, wir werden das Portfolio weiter ausbauen. Wir sehen die Akzeptanz bei Senf.

Alle reden von Nachhaltigkeit.
Jeder redet von Klimaschutz, „raus aus Plastik“, pflanzt Bäume und setzt auf Nachhaltigkeit. Letzteres ist für uns ein langfristiges Thema, das uns auch durch das gesamte nächste Jahr begleiten wird. Ob im laufenden Betrieb oder bei unseren Produkten, wie etwa den Bio Senf oder den Bio Apfel Essig. 2019 konnten wir durch unsere neue Photovoltaikanlage bereits zehn Prozent des Strombedarfs selbst erzeugen. Mit über 100 Maßnahmen in den letzten neun Jahren konnten wir den Energieverbrauch in der Produktion um 16 Prozent pro Tonne reduzieren, rund 500.000 kg CO2 pro Jahr einsparen und beim Wasserverbrauch können sogar 15.000 m³ gespart werden. Im Rahmen des Zubaus wurden auch Elektrotankstellen für unsere Mitarbeiter installiert.

Und bei den Verpackungen?
Im Verpackungsbereich setzen wir bei PET Flaschen einen ­rePET-Anteil von 30 Prozent bei unseren Markenprodukten um. Auch im Glasbereich setzen wir seit Jahren auf einen hohen Recyclatanteil. Außerdem versuchen wir laufend, das Gesamtverpackungsmaterial so gering wie möglich zu halten und unsere Produkte 100 Prozent recyclingfähig zu machen. Nachhaltigkeit bei Mautner betrifft genauso wie unsere Innovationen jeden einzelnen Mitarbeiter. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir seit Jahren auch ein wichtiger Player in der Ausbildung von Lehrlingen sind. Wir bilden Lehrlinge in vier Lehrberufen aus, aktuell sind dies acht junge Menschen, die wir als zukünftige Fachkräfte aufbauen. Für 2020 suchen wir noch im Bereich Lebensmitteltechnik und Bürokauffrau/mann Lehrlinge.

Wird weiter in den Standort Wien Simmering investiert?
Wir haben einen 3-Jahresplan, der insgesamt eine Investitionssumme von rund acht Millionen Euro vorsieht. Im Plan sind ein Zubau, dann folgen Technik/Modernisierungen. Ein klares Bekenntnis zum Standort Simmering. Diese Investitionen in unseren Standort werden uns 2020 weiter beschäftigen. Durch unser Wachstum im Export – wir sind mittlerweile der größte österreichische Essigproduzent – müssen wir den Standort ausbauen, um für die Zukunft vorzusorgen. Eine neue, hochmoderne ­Abfülllinie für Sirup und Essig sowie neue ­Acetoren für die Essigproduktion verschaffen uns hier zukünftig ein hohes Maß an Flexibilität.

Danke für das Gespräch

Robert Falkinger