Mag. Carina Pollhammer und Gerhard Ritter

Führungswechsel bei Spar Vorarlberg: Mag. Carina Pollhammer wird die erste Frau in der Chef-Etage einer Zentrale von Spar in Österreich

Vorarlberg: Eine Frau an der Spar-Spitze

Gerhard Ritter geht in den Ruhestand und Mag. Carina Pollhammer übernimmt die Geschäftsführung von Spar Vorarlberg. Der Kurs der Spar steht auf Modernisierung. Gleich sechs Projekte sind für 2020 geplant. Wachstumssieger sind, neben den Supermarkt-Filialen, auch die Eurospar-Märkte.

REGAL: Herr Ritter, blicken Sie auf das Jahr 2019 zurück, wie haben sich die unterschiedlichen Vertriebslinien entwickelt?
Gerhard Ritter: Spar Österreich ist Wachstumssieger und auch Spar Vorarlberg hat seinen Teil dazu beigetragen. Wir sind auf einem guten Weg, dazu haben dieses Jahr vor allem die Filialen geführt. Hier liegen wir umsatztechnisch weit über dem Plan. Der Quadratmeterumsatz wurde auf bestehender Fläche gesteigert. Auch der Einzelhandel entwickelt sich über Plan und mit solidem Marktwachstum. Die Eurospar-Märkte haben, an den Zahlen gemessen, das beste Format und entwickeln sich ganz hervorragend. Interspar erzielte, ein Like-for-Like-Wachstum. Bedingt durch die Teilschließung in Bregenz liegen wir aber leicht unter dem Vorjahr.

Wie steht es um die Spar-Kaufleute in Vorarlberg?
Ritter: Fast alle Kaufleute können ihre Umsätze steigern oder zumindest im Vergleich zum Vorjahr halten. Wir haben heute mehr Einzelhandelsgeschäfte als noch vor zehn Jahren. Das ‚Ladensterben‘, von dem gern gesprochen wird, können wir hier in Vorarlberg nicht bezeugen. Wir haben sowohl Standorte als auch Verkaufsflächen in den letzten Jahren dazu gewonnen.

Wie viele rote bzw. grüne Systempartner gibt es?
Ritter: Sie halten sich die Waage. Der rote Systempartner ist natürlich sehr attraktiv für den Kaufmann, da Spar ihm viel Arbeit in puncto Sortiment, Buchhaltung und Investition abnimmt.

Frau Pollhammer, Sie sind seit zehn Jahren bei Spar, ab 1.1.2020 übernehmen Sie die Aufgaben von Direktor Ritter, wie sieht die Zukunft von Spar Vorarlberg aus? Welche Investitionen haben Sie für Ihr erstes Jahr als Geschäftsführerin geplant?
Carina Pollhammer: Der Schwerpunkt fällt auf jeden Fall auf die Modernisierungen. Wir werden die Filialen in Schruns, Altach-Lastenstraße, Dornbirn-Rohrbach und Dornbirn-Fischbach sowie auch die Märkte der Kaufleute Brunner in der Mossmahdstraße in Dornbirn und Bitschnau in Tschagguns auf das neue „SM 2.0 System“ umstellen. Eine große Wiedereröffnung wird 2020 auch die Interspar in Bregenz feiern.

Wie sieht es mit Neueröffnungen aus?
Pollhammer: In alter Manier, wie es schon Herr Ritter machte, streben wir an, alle zwei Jahre einen neuen Supermarkt zu eröffnen, das gelingt uns ganz gut. Für nächstes Jahr ist auch einer angedacht, aber die ­Details werden noch nicht verraten.

Wie sieht es mit Eurospar-Filialen aus?
Pollhammer: Eine Eurospar-Modernisierungsoffensive ist ab 2021 geplant.
Ritter: Wir hatten in den Jahren 2003 bis 2006 eine regelrechte Eurospar-Expansion, diese Märkte kommen natürlich jetzt in die Jahre. Ganz konkret können wir auch schon sagen, dass der Spar-Markt in Dornbirn Haterdorf mit 500 Quadratmetern verlegt und als Eurospar eröffnen wird.

Letztes Jahr wurden die Tankstellen vom Mitbewerb übernommen, gibt es Pläne für die Spar express Vertriebsschiene?
Ritter: Nein, obwohl uns das schon sehr weh getan hat und wir mit unseren sehr erfolgreichen Tankstellenshops den gleichen Umsatz wie mit einem Nahversorger machen konnten, stehen zurzeit keine Kooperationen auf der Agenda. Leider gibt es ja die Doppler-Gruppe, die in anderen Bundesländern Spar express Kooperationspartner ist, nicht in Vorarlberg.

Wo lagen 2019 Ihre Schwerpunkte, Herr Ritter?
Ritter: Definitiv auf der Regionalität, wir forcieren unsere Ländle-Produkte. Milchprodukte werden auch von der Landwirtschaftspolitik gefördert, hier wünsche ich mir mehr Fokus auf Fleischprodukte wie dem Ländle-Rind sowie auf Obst und Gemüse. Wir haben definitiv den Bedarf für mehr Vorarlberg-Artikel bei Fleisch und Wurstwaren.

Wie viele Spar-Standorte gibt es in Vorarlberg?
Pollhammer: Wir bewegen uns um die 100 Standorte. Aktuell sind es 99. Neben den fünf Interspar-Märkten haben wir 43 Filialen und 51 selbstständige Kaufleute.

Werden Standorte auch geschlossen?
Pollhammer: Ja, wir schließen 2020 ­einen 80 m2 Markt in Lauterach, weil unsere Kauffrau in die wohlverdiente Pension gehen wird.

Ist es eine Herausforderung neue Kaufleute zu finden, die diesen Markt übernehmen würden?
Pollhammer: Es ist tatsächlich herausfordernd, neue Kaufleute zu finden. Hier müssen wir auch in naher Zukunft kräftig die Werbetrommel rühren. Der Markt in Lauterach mit 80 m2 ist definitiv zu klein. Unsere Märkte im Einzelhandelsbereich bewegen sich auf einer Durchschnittsgröße von 380 m².

Mit welchen Herausforderungen haben Sie in Vorarlberg zu kämpfen?
Ritter: Wir bemerken einen Abfluss der Kaufkraft nach Deutschland. Dort ist auch die Raumordnungspolitik viel offener. Dafür profitieren wir von der Nähe zur Schweiz. Wir merken es, wenn der Franken wieder ansteigt, dann steigen auch die Umsätze in Grenz­nähe. Der Messepark oder das Rheincenter in Lustenau profitieren enorm. Fleischprodukte beispielsweise sind in der Schweiz um 40 Prozent ­teurer.

Wie steht es um die Lage der Aktionspolitik?
Ritter: Man kann es nicht jedem recht machen. Wir hören auch, dass einige Kaufleute keine große Freude mit den Aktionen haben, doch in Summe passt das. Mit unseren Rabattmarken und Tip-ons belohnen wir die Spar-Stammkunden.

Gibt es neue Projekt-Pläne in Vorarlberg? Werden neue Shopping-Zentren ­gebaut?
Ritter: Nein, neue Shopping-Center sind keine in Planung. Die SES plant in Bregenz die ‚Seestadt‘ in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, der ebenfalls in Neuplanung steht.

Ab 1.1.2020 steht die Übergabe der Geschäftsführung an. Frau Pollhammer, wie lange haben Sie sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet?
Pollhammer: Meine Einarbeitung in diese neue Aufgabe erstreckt sich über einige Monate. Seit mittlerweile vier Monaten bin ich nun in Vorarlberg. Die frühe Ankündigung von Herrn Ritter über seinen geplanten Pensionsantritt war sehr hilfreich und nur dadurch konnte die Übergabe fließend stattfinden.

Sie sind die erste Frau als Geschäftsführerin einer Zentrale von Spar in Österreich. Die Kollegen haben Sie sicherlich mit Wohlwollen aufgenommen, welche Herausforderung kommen trotzdem auf Sie zu?
Pollhammer: Das stimmt, ich wurde mit Wohlwollen aufgenommen und durfte in meiner Vorbereitungszeit auch mit einigen Geschäftsführer-Kollegen zusammenarbeiten. Herausforderungen gibt es täglich – in Bezug auf Männer und Frauen würde ich sagen, eine gute Durchmischung fördert Teamwork, das Betriebsklima und sichert nicht ­zuletzt den Erfolg. Das Rollenbild hat sich in den letzten Jahren stark verändert, das sieht man auch bei Spar.

Herr Ritter, nach zehn Jahren als Geschäftsführer und 40 Jahren bei Spar verabschieden Sie sich nun, was können Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg geben?
Ritter: Frau Pollhammer übernimmt mit frischem Wind meine Aufgaben. Sie übernimmt ein loyales und eingespieltes Team. Spar ist am Markt hervorragend aufgestellt, überhaupt seit der Familia-Übernahme 1996, wo wir Top-Standorte dazu gewinnen konnten. Trotzdem wird es noch weiße Flecken geben, dann heißt es, früh genug zu reagieren und alle zwei Jahre einen neuen Standort zu eröffnen.

Welches große Projekt wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben, Herr Ritter?
Ritter: 2018 haben wir vis-à-vis von einem bestehenden Standort den Markt einer selbstständigen Einzelhändlerin neu aufgesperrt, in einer 1.000-Einwohner-Gemeinde. Der Markt der Kauffrau in Egg-Großdorf ist nicht einmal 300 Quadratmeter groß und trotzdem hat sich der Umsatz durch die Neueröffnung verdoppelt. Solche Erfolgsmodelle bleiben mir in Erinnerung.

Gab es auch negative Bei­spiele?
Ritter: Ja, eine Herausforderung war der Eurospar in Dornbirn-Schwefel, der wurde, wie viele andere Standorte, als Familia-Markt übernommen und ist ­viele Jahre vor sich hingedümpelt. Mittlerweile konnten wir ihn aber durch einen Total-Relaunch retten und der Eurospar ist nun einer der erfolgreichsten in Österreich.

Was war Ihr beruflich schönstes Ereignis bei Spar?
Ritter: Dreimal den Preis als attraktivster Arbeitsgeber verliehen zu bekommen – einschließlich heuer. Das ist eine Ehre, da die Mitarbeiter direkt befragt werden.

Frau Pollhammer, als neue Geschäftsführerin von Spar Vorarlberg, was werden Ihre Schwerpunkte sein?
Pollhammer: Mein Herzensanliegen ist es, Mitarbeiter für die Spar-Familie zu begeistern und langfristig an das Unternehmen zu binden. In einem hart umkämpften Arbeitsmarkt ist es besonders wichtig, Mitarbeiter entsprechend zu fördern und umfangreich weiterzuentwickeln. Ich arbeite gerne mit motivierten und zufriedenen Mitarbeitern und schließlich sorgen diese zufriedenen Mitarbeiter für zufriedene Kunden.

Vielen Dank für das ­Gespräch!

Anna Lena Wagner