Mag. (FH) Emmanuel Fink, ­Geschäftsführer von ­Lekkerland in Österreich.

Wie geht’s bei Lekkerland weiter?

  • Lekkerland Österreich ist seit 6. Dezember selbstständig
  • Geschäftsführer Fink plant die Rückholung strategischer Aufgaben nach ­Österreich
  • Schnelldreherlager auf der To-do-Liste

Lekkerland wurde in Deutschland von Rewe übernommen. In Österreich wurde der Deal vom Kartellamt untersagt. Wie geht’s also weiter? Nach vollzogenem Carve-Out vom 6. Dezember 2019 agiert der Convenience-Großhändler nun vollständig eigenständig. „Wir sind nicht mehr Teil der Lekkerland Gruppe, mehr noch: Unsere ehemaligen Kollegen sind jetzt Mitbewerber“, erklärt Geschäftsführer Mag. (FH) Emmanuel Fink im REGAL-Gespräch in der Ternitzer Zentrale des Tankstellen-Großhändlers.

Das Unternehmen ist jetzt direkt dem Eigentümer unterstellt. Konkret besitzen fünf Familien-Holdings 74,9 Prozent an Lekkerland Österreich. 25,1 Prozent gehören der Austria Tabak. Die Folgen: „Es entfallen natürlich interne Abstimmungen mit der Gruppe. Wir waren schon bisher schnell, werden jetzt aber noch flexibler und wendiger.“

Dennoch: Einige Dienstleistungen wird die Austro-Dependance auch künftig von der ehemaligen Mutter beziehen. „Zumindest in einem ersten Schritt, bis wir unsere Möglichkeiten evaluieren und umsetzen können.“ Davon betroffen sind etwa die IT. Geht es nach Fink, dann werden die Ternitzer viele Aufgaben aber rasch nach Österreich zurückholen.

Die Rückholung dieser Dienstleistungen nach Ternitz stellt Fink auch vor eine logistische Herausforderung. „Wir haben schon jetzt unsere Büro-Kapazitäten ausgereizt.“ Dementsprechend will das Unternehmen neue Büroräume in der Nähe der Zentrale anmieten. „Hier könnten wir dann die Support-Bereiche zusammenziehen. Die Logistic Operations verbliebe am ursprünglichen Standort.“ Ein Ausbau der gewachsenen Drehscheibe sei aktuell nicht auf der To-do-Liste: „Es gibt einen Prozess, der bereits läuft, wo künftig Grünland in Bauland umgewandelt wird und wir dann eine entsprechende Fläche bekämen. Dieser wird aber noch Zeit in Anspruch nehmen.“

Kapazitäten gibt es noch: Mit der bestehenden Fläche ist noch ein Plus zwischen zehn und 20 Prozent machbar. „Wenn es dabei um ein Geschäft geht, das größere Sortimente erfordert, dann sind wir aber wesentlich limitierter.“ Deshalb bleibt ein Schnelldreher-Lager in Westösterreich ein Thema. „Damit würden wir dann auch in Ternitz wieder unsere Potenziale erhöhen“, so Fink.

3.500 Artikel zählt das Portfolio des Unternehmens. Die Abnabelung zur Gruppe habe auf diesen Umfang kaum Einfluss. „Wir sind weiter Partner von Top-Team Zentraleinkauf und verrechnen über die Markant.“ Ausnahme: Eigenmarken. „Ich habe mit 6. Dezember meine Geschäftsführeraufgaben in der Convivo, und damit verbunden das Eigenmarkengeschäft der Lekkerland Gruppe, zurückgelegt. Nachdem wir schon jetzt Randartikel bei den Mitbewerbern Metro und Transgourmet beziehen, könnte das auch bei Eigenmarken – und das sind ebenso Mini-Sortimente für uns – bei der Rewe sein.“

Das aktuelle Geschäftsjahr beurteilt Fink gut: „Wir werden wieder auf einen Umsatz wie im Vorjahr kommen.“ Damals wurden rund 118 Millionen Euro erwirtschaften. „Wir haben zwei größere Kunden verloren, konnten aber durch eine gute Neukunden-Akquise die Abgänge wieder kompensieren.“ Dazu sieht der Geschäftsführer weitere Potenziale bei den Bestandskunden. „Lekkerland Österreich wird künftig mehr nach links und rechts schauen und auch in andere Bereiche vordringen, die bisher vielleicht nicht bearbeitet wurden.“

Herbert Schneeweiß