„ Das Einweg-Pfand wäre nur ein kleiner Mosaikstein“, KR Christof Kastner, Kastner-GF

REGAL Exklusiv-Interview mit Kastner-Chef KR Christof Kastner, der das Pfand auf Einweg ablehnt

Kastner: Nein zum Pfand

  • Pfand auf Einweg bringt enorme Kosten
  • Handel kann nicht die Müllabfuhr darstellen
  • Herkunftskennzeichnung bringt wenig

REGAL: Wie ist es bei Kastner im Vorjahr gelaufen?
GF KR Christof Kastner: Mit über zehn Prozent hatten wir ein gutes Umsatzwachstum auf fast 250 Millionen Euro in der Gruppe. Wir haben zum Glück in allen Bereichen zugelegt und mit GEKO einen wesentlichen Schritt gesetzt. Die nächsten Schritte folgen heuer.

Wie viele Nah&Frisch Märkte beliefert der Kastner Großhandel?
160.

Kann Kastner auch im Ausland punkten?
Mit der Gastronomie am ehesten in Ungarn, mit der Biogast in Südtirol, Slowenien, der Slowakei und Tschechien.

Nun ist das Pfand auf Einweg in Diskussion. Was sagen Sie dazu?
Schon die Mehrweg-Manipulation verursacht einen extremen Aufwand. Für die Rückführung der Mehrweggebinde werden wir Kosten wie Logistik und viele andere an die Industrie rückverrechnen. Das sind erhebliche Kosten. Zum Pfand auf Einweg: Ziel muss es sein, möglichst alles, was wir an Plastik in Verkehr bringen, zu betrachten. Die Plastikflasche ist ja nur ein kleiner Teil davon.

Also kein Einweg-Pfand?
Wir sagen Nein zum Pfand auf Einweg. Es hilft gar nichts, wenn wir nur einen kleinen Mosaikstein herausnehmen und der Handel zur Müllabfuhr wird. Wir sind Versorger und keine Entsorger. Das ist die Rolle der Abfallverbände oder anderen. Das Beispiel Deutschland zeigt, dass das Einwegpfand eine Katastrophe ist. Das ist eine Beschäftigungstherapie, aber keine Lösung. Außerdem würde das System der ARA in Frage gestellt, die Sammelbehälter insgesamt, sage ich über­spitzt, von knapp zwei Millionen auf 10.000 reduzieren.

Ab April kommt die verpflich­tende Herkunftskennzeichnung an Produkten für primäre Zutaten, in der Gemeinschaftsverpflegung soll das ab 2021 kommen.
Das Wertschöpfungspotenzial sollte in Österreich sein. Ich halte diese neue Regelung, die nur auf die Herkunft der Primärzutat abzielt, nicht für gescheit. Bei einem Ketchup, wenn die Tomaten nicht aus Österreich sind, darf dann nicht mehr Österreich draufstehen, obwohl der größte Teil der Wertschöpfung in Österreich passiert. Ob das mittelfristig gesehen gut ist, bin ich nicht sicher. Natürlich werden wir es jetzt erleben, dass jene, die bisher mit Österreich am Produkt geworben haben, aber die Primärzutaten nicht hier bezogen wurden, etwas ändern müssen. Ich glaube, dass die Landwirtschaft hier über das Ziel geschossen hat.

Die Abschaffung der 1 und 2 Cent Münzen wird diskutiert.
Hier wollen wir eine praktikable Lösung. Wir halten nichts davon, jetzt sofort die Münzen einzustellen. Wir möchten hier eine Übergangsfrist von fünf Jahren, so dass erst 2025 die 1 und 2 Cent Münzen abgeschafft werden. Wir rechnen auch damit, dass sich in den nächsten fünf Jahren der bargeldlose Zahlungsverkehr erhöhen wird. Rundungskonzepte gehen zu Lasten der Konsumenten oder des Handels. Außerdem lehnen wir es ab, jetzt teure Kassen-Software-Lösungen, die das können, finanzieren zu müssen.

Es soll nun eine Mediations- und Schlichtungsstelle im Kampf gegen Preisdumping im Lebensmittelhandel für Bauern eingerichtet werden. Das wird im Handel nicht überall positiv gesehen.
Für uns ist das kein Problem. Wir handeln fair! Umgekehrt wollen wir auch zu fairen Preisen einkaufen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Bauern fühlen sich nicht gerecht behandelt?
Wir als regionaler Großhändler treten immer für faire Verhandlungen mit den Bauern ein. Wir müssen aber auch sehen, dass die Erträge im Lebensmittelhandel nicht so sind wie bei großen Industrie-Konzernen. Da tue ich mir schwer in der Zusammenarbeit. Wir wollen hier Wertschöpfungsgerechtigkeit, dass wir entsprechende Margen erwirtschaften können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Schuhmayer