Spar Präsident Dr. Gerhard Drexel

Unser Jahr der Spar Rekorde

Spar: Interview mit GDir. Drexel

  • 4,7 Prozent Wachstum bei Spar Österreich
  • Marktanteil bei 32,7 Prozent
  • Heuer sieben neue Interspar-Jumbos und 4,6% flächenbereinigtes Wachstum
  • Gourmet-Interspar Ende 2020 am Schottenring in Wien

REGAL: Wie hat sich die Spar im letzten Jahr entwickelt?
Dr. Gerhard Drexel: 2019 war ein erfreuliches und erfolgreiches Geschäftsjahr für Spar Österreich und für die gesamte Spar-Gruppe. Eine besondere Freude ist es, dass wir das zehnte Jahr in Folge Wachstumsführer bei Supermärkten und Hypermärkten wurden. In acht der letzten zehn Jahre, so auch 2018 und 2019, waren wir mit großem Abstand auch Wachstumsführer im LEH inklusive der Diskonter. So konnten wir den Marktanteil in den letzten zehn Jahren um 4,3 Prozentpunkte von 28,4 Prozent (2009) auf 32,7 Prozent (2019) steigern.

Wie viel Marktanteil hat Spar in Österreich im letzten Jahr zugelegt?
2019 erzielten wir einen Marktanteil von 32,7 Prozent und damit +0,8 Prozentpunkte mehr als 2018.

Und am Umsatz gemessen?
In Österreich verzeichnet die Spar-Organisation einen Verkaufsumsatz von 7,2 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber 2018. Der heimische Lebensmittelhandel ist insgesamt laut Nielsen um 2,1 Prozent gewachsen. Das heißt, wir sind mehr als doppelt so stark wie die Branche gewachsen. Auf bestehender Fläche haben wir ein Wachstum von 4,1 Prozent erreicht – die Expansion trägt 0,6 Prozentpunkte zum Umsatzwachstum bei.

Sind die Spar-Kaufleute mitverantwortlich für dieses Wachstum?
Und wie! Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unserer Spar-Kaufleute. 2019 konnten die Spar-Einzelhändler auf bestehender Fläche ein Plus von 3,7 Prozent verzeichnen. Insgesamt werden in Österreich 687 Standorte von selbstständigen Spar-Kaufleuten geführt.

Wie sieht es bei Interspar und Maximarkt aus?
Sensationell! Konzernintern konnte Interspar (mit Tochter Maximarkt) in Österreich ein Umsatzwachstum auf der bestehenden Fläche – also like-for-like – von Plus 4,6 Prozent erzielen. Das ist ein Spitzenwert, wenn man bedenkt, dass die Großflächen in ganz Europa Umsatzprobleme haben, besonders in den Nonfood-Segmenten. Und gerade im Nonfood hat Interspar eine hervorragende Entwicklung. Die Nonfood-Eigenmarke Simpex erzielte 2019 ein Wachstum von Plus 17 Prozent.

Im vergangen Jahr wurden 680 Millionen Euro investiert, 50 Prozent davon in Österreich, 50 Prozent davon gingen ins Ausland. Wie sieht das Investitionsvolumen für 2020 aus?
Wir wollen das Investitionsvolumen für dieses Jahr von 680 auf 750 Millionen Euro erhöhen. Auch dieses Jahr investieren wir wieder umsatzaliquot. Die Umsätze verteilen sich im Lebensmittelhandel zu etwa 55 Prozent auf Österreich und zu 45 Prozent auf das Ausland. Wir haben in den letzten zehn Jahren alle Investitionen aus dem Cash-Flow finanziert. Der Cash-Flow war jedes Jahr höher als die Summe der Investitionen.

Wie viele Spar-Standorte gibt es in Österreich?
2019 zählen wir 1.557 Spar-, Eurospar- und Interspar-Standorte. Der Rückgang um drei Standorte ist ein Saldo aus Neu-Eröffnungen und einigen wenigen Schließungen aufgrund von Pensionierungen bei Spar-Kaufleuten.

Wie hat sich die Spar-Gruppe entwickelt?
Der Brutto-Verkaufsumsatz der gesamten Spar-Gruppe belief sich 2019 auf 15,72 Milliarden Euro. Das ist ein Umsatzzuwachs von 4,7 Prozent und für die Spar ein historischer Höchstwert.

Und die Entwicklung im Ausland?
Wir betreiben in den Nachbarländern Italien, Ungarn, Slowenien und Kroatien 1.277 Spar- und Eurospar-Märkte und 107 Interspar-Hypermärkte. Insgesamt erzielten unsere Auslands­töchter 2019 einen Gesamtumsatz von 5,99 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Umsatzwachstum von +6,0 Prozent zum Vorjahr.

Und in den einzelnen Ländern?
Wir bearbeiten im Ausland die Märkte in Italien, Slowenien, Ungarn und Kroatien. Wir konnten in allen Ländern wachsen und unsere Marktposition ausbauen. In Nord-Ost-Italien sind wir mit 15 Prozent Marktanteil Marktführer. In Slowenien sind wir nach Mercator die Nummer zwei am Markt, und zwar mit 22 Prozent Marktanteil. In Ungarn sind wir schon hinter Tesco und Coop die Nr. 3 mit rund 14 Prozent Marktanteil. In Kroatien belegen wir nach der Billa-Übernahme und einer kräftigen Eigenexpansion mit rund zehn Prozent Marktanteil bereits den 3. Platz – hinter Konzum und Lidl.

Gibt es Expansionspläne für dieses Jahr in Österreich?
Ja, wir wollen auch in diesem Jahr etwa 80 bis 90 Standorte von Grund auf erneuern bzw. modernisieren. Echte Neu-Eröffnungen wird es etwa 15 bis 20 geben.

Interspar steht ja vor einem Jahr der Eröffnungen.
Bei Interspar gibt es im Jahr unseres 50. Jubiläums eine wahre Expansions-Offensive. Fünf Hypermärkte werden heuer von Grund auf erneuert: Wien-Alterlaa, Bregenz, Braunau, Lienz sowie unser Interspar in der Plus-City bei Linz. In Wien kommen zwei komplett neue Standorte dazu: in der Breitenfurter Straße im 23. Bezirk und im 1. Bezirk ein Standort mit hoher Reputationskraft in der früheren Zentrale der Creditanstalt/Bank Austria. Wir werden dort einen gourmetaffinen, kompakten Interspar mit knapp 2.000 m2 Verkaufsfläche errichten.

Wann eröffnet dieser Gourmet-Interspar?
Wenn alles klappt, gegen Ende 2020. Wir werden dort versuchen, Lebensmittelhandel, Convenience und Gastronomie miteinander zu verschmelzen.

Wie sieht die Expansions-Offensive für das Ausland aus? Werden neue Länder angedacht?
Mittelfristig nicht. Wir verfolgen vielmehr die Strategie der Marktpenetration. Wir wollen dort, wo wir schon sind, noch stärker werden. In Italien bearbeiten wir mit 535 DeSpar- und Eurospar-Märkten und 39 Interspar-Hypermärkten mit großem Erfolg den Nord-Osten und wollen nun die südlich angrenzende Region Emilia Romagna erschließen. Dort leben 4,5 Millionen Einwohner, halb so viel wie in Österreich.

2019 haben Sie gemeinsam mit Doppler ein neues Spar Express-Tankstellenkonzept vorgestellt, wie viele solcher Shops werden 2020 eröffnet?
Geplant sind 20 neue Standorte mit unserem Partner Doppler.

Die 40 Prozent Eigenmarken-Schallmauer wurde erreicht, wohin geht die Reise?
Unsere Spar-Eigenmarken haben eine tolle Entwicklung hingelegt. Wir sind bei knapp 41 Prozent Umsatzanteil. Mit Spar Natur*pur konnten wir 2019 um über Plus 16 Prozent wachsen. Spar Premium erzielte ein Wachstum von Plus zehn Prozent, S-Budget wuchs um Plus acht Prozent. Der gesamte Eigenmarken-Umsatzzuwachs 2019 betrug 5,4 Prozent.

Der Spar-Konzern beschäftigt 85.000 Mitarbeiter und konnte 2019 rund 2.200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wie sieht die Prognose für 2020 aus?
Von den 2.200 zusätzlichen Arbeitsplätzen entfallen knapp die Hälfte auf Österreich. Auch in diesem Jahr wollen wir ähnlich viele zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, d.h. mindestens 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze allein in Österreich.

Wie steht Spar zum Pfand auf Einweg?
Wir sind klar gegen das Einweg-Pfand. Die von der EU geforderten Sammel- und Verwertungsquoten können durch folgende Maßnahmen wesentlich besser erfüllt werden: Es braucht ein österreichweit einheitlicheres Sammelsystem, bessere Sortiersysteme und die Forcierung von Mehrweg als umweltfreundlichste Gebindeform. Die Erfahrungen aus Ländern mit Pfand auf Einweg zeigen, so zum Beispiel in Kroatien, dass ein Pfand auf Einweg zum irreversiblen Niedergang von Mehrweg führt. Wir brauchen einen Schulterschluss von Handel und Industrie zu diesem Thema.

Bei der Lebensmittelverschwendung tendieren Regierungskreise zum französischen Kaskadenmodell, einem generellen Verbot, genusstaugliche Lebensmittel zu entsorgen.
Das wäre ein Schildbürgerstreich. Wir haben heute in Österreich auf Basis freiwilliger Vereinbarungen ein sehr effizientes und effektives System. Jeder Spar-Verkaufsstelle ist eine in der Nähe liegende Sozialeinrichtung zugeordnet, die nicht mehr verkaufsfähige, aber genusstaugliche Lebensmittel gratis abholen. Ganz ähnliche Systeme betreiben unsere Mitbewerber. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Modell – das zeigt das Bespiel aus Frankreich – würde zu einem Bürokratie-Exzess führen und wesentlich weniger gut funktionieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Schuhmayer, Anna Lena Wagner