Alexander Obsieger führt eine Greißlerei in 1080 Wien

Unverpackt ehrlich: Der Trend der Zeit heißt Plastik einsparen. In Wien wachsen Shops aus dem Boden, die diesem Hype Folge leisten

Grüne Läden ohne Verpackung

  • Markus Ivany und Claudia Mäser: 40.000 Euro Umsatz im Monat mit regionalen und biologischen Produkten
  • Alexander Obsieger führt eine 65m² große Greißlerei im 8. Wiener Gemeindebezirk
  • Ziele der Kaufleute: Wertschöpfung in der Region generieren, Bewusstsein schaffen und Umwelt schützen

In Wien, nahe der Mariahilfer Straße, sind alternative Geschäftskonzepte nichts Neues. Neben Vintage-Shops und Naturkosmetik-Angeboten sind auch Bio-Greißler und Unverpackt-Läden ein absolutes Muss. Markus Ivany mit Geschäftspartnerin Claudia Mäser sowie Alexander Obsieger führen unabhängig voneinander zwei Lebensmittelgeschäfte in Wien. Der Fokus der beiden Kaufleute liegt auf biologischen, regionalen Lebensmitteln, die fair produziert werden und nicht verpackt sind.

Lieber ohne. Auf 100 Quadratmetern Verkaufsfläche bieten Markus Ivany und Claudia Mäser im sechsten Wiener Gemeindebezirk 1.600 Produkte an. „Wir bieten ein kleines Vollsortiment an, was noch fehlt, ist das TK-Angebot und eine größere Feinkost.“ Der ­Unverpackt-Laden mit dem Namen „Lieber ohne“ bietet in 12,5 Liter-Gefäßen von HL-Display Nudeln, Reis, Gewürze, Bohnen u.v.m an. Der Kunde kann mit seinen selbst mitgebrachten Gefäßen oder mit Papiersackerl seinen Einkauf tätigen. Obst und Gemüse werden ausschließlich ohne Plastik-Verpackung angeboten. „Die Preise sind vergleichbar mit einem Bio-Markt,“ erklärt Kaufmann Ivany. In der Mopro-Abteilung werden Milch und Jogurt im Glas verkauft. Vom Honig über Pesto bis hin zu Essiggurken und Brotaufstrichen wird alles in Bio-Qualität angeboten. „Wir schreiben an, wenn etwas nicht Bio ist, das ist aber die Ausnahme.“

Non-Food. Ein Drittel des Umsatzes macht der Non-Food-Bereich aus. Hier werden Waschmittel, Seifen und Cremen in Dispensern ausgestellt. Alternativ dazu bietet Ivany auch unverpackte Naturkosmetik von regionalen Produzenten an. „Wir überlegen und wiegen aber die Dinge ab, keine Verpackung ist uns wichtig, jedoch auch die Herkunft und wie es produziert wurde sind ausschlaggebend.“ Vier Großhändler beliefern „Lieber ohne“ dreimal wöchentlich. 80 bis 130 Kunden frequentieren täglich den Markt, darunter sind junge Familien aber auch ältere Menschen, „die für drei Karotten oder ein kleines Stück Butter sehr dankbar sind.“ 40.000 Euro Umsatz im Monat erzielen das Lieber-ohne-Duo mit seinem nachhaltigen Konzept.

Ausbau. In nächster Zeit sind eine moderne Feinkosttheke, ein neues Kassensystem und der Ausbau des Sortiments geplant. „Bislang gehen die Kunden für Schinken und Wurst noch woanders hin, mit einer Frischetheke würde der Konsument seinen gesamten Einkauf bei uns erledigen können.“

Der Greißler. Auf der anderen Seite der Mariahilfer Straße, in der Josefstadt, führt Alexander Obsieger das Geschäft „der Greißler, unverpackt ehrlich“. Auch hier sind Tees, Nudeln, Gewürze und Hülsenfrüchte in Glas-Behältern zu finden. Seit Juni 2016 gibt es den Greißler mit verpackungsarmen, biologischen und regionalen Lebensmitteln. Dem ehemaligen Matrosen sind neben der Landwirtschaft auch faire Behandlung und faire Preise wichtig. Über 1.000 Produkte von fast 80 Lie­feranten, darunter von Großhändler Biogast, finden die qualitätsbewussten Kunden auf 65 m2. Auf Bestellung gibt es beim Kaufmann Fleisch und Fisch. „Das dient unter ­anderem zur Bewusstseinsbildung“, erklärt Obsieger gegenüber REGAL.

270.000 Euro Umsatz setzte der Greißler 2019 um. Zwei Mitarbeiter beschäftigt er und ein zweiter Markt ist schon in Planung. „Ich hoffe auf der Margaretenstraße ein größeres Geschäft eröffnen zu können.“ Mit Adaptierungen, wie größerer Fläche, zusätzlicher Küche und einem Café, wünscht sich Obsieger, sein nachhaltiges Konzept noch weiter in die Welt tragen zu können.

Anna Lena Wagner