Fieberbrunn

REGAL Exklusiv-Gespräche mit Adeg-Kaufmann Walter Schmutterer und Sparianer Alois Hofer

Kaufleute halten Nahversorgung hoch

  • 150.000 Mitarbeiter zählte der österreichische Lebensmittelhandel im Jahr 2019. Mehr als 100.000 davon Frauen.
  • Kaufleute berichten über den harten Alltag

Dreh- und Angelpunkt: Die österreichischen Kaufleute. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Arbeit zum ersten Mal wertgeschätzt wird“, erklärt Spar-Kaufmann Alois Hofer (Fieberbrunn, Tirol) im REGAL-Gespräch. Mehr Zusammenhalt sei spürbar, mehr Solidarität und auch mehr Nachfrage: „So nehmen immer mehr Kunden unser Zustellservice in Anspruch. Das positive Feedback ist gewaltig.“ Zumindest ein kleiner Trost für die aktuelle Umsatzsituation. „Wir haben in den ersten zwei Monaten noch einen Umsatz von 1,1 Millionen Euro gemacht, waren toll unterwegs und müssen jetzt natürlich kämpfen, um zu halten, was zu halten ist.“ Denn: Rund 30 bis 40 Prozent bestritt Hofer in Tirol mit Touristen. „Diese fehlende Frequenz ist nicht abzupuffern“, so der Sparianer.

Spar schickte LKW. Das war am Wo­chen­ende vor der Ausgangsbeschränkung und Quarantäne noch anders: „Ich glaube, da haben wir schon am Donnerstag ein Plus von 20 Prozent geschrieben. Der Freitag war dann der Wahnsinn und eher vergleichbar mit Silvester“, so der Kaufmann. Dabei haben sich die Kunden regelrecht eingedeckt. „Die Spar hat sehr schnell reagiert und mir innerhalb von sechs Stunden einen LKW mit neuer Ware geschickt. Das war eine unglaublich Leistung.“

95 Prozent mit Ware. Derzeit hat Hofer nur eine geringe Out-of-stock-Situa­tion. „Wir sind zu rund 95 Prozent bestückt“, so Hofer. Die Versorgung über die Spar laufe einwandfrei und ohne Probleme. „Zusätzlich müssen wir unseren Markenartiklern und unseren regionalen Lieferanten ein großes Lob aussprechen. Die Ware ist da, alle haben hier Menschenunmögliches geleistet.“ Kleinere Ausverkaufssituationen gibt es bei Eigenmarken. Die hohe Nachfrage habe punktuell zu Engpässen geführt. „Einige Produkte waren vergriffen.“

Zur Situation in Tirol meint Hofer: „Ein Crash hat sich in irgendeiner Form abgezeichnet. Jetzt gilt es praktisch wieder bei Null zu beginnen. Derzeit sind wir noch alle mit den derzeitigen Ereignissen beschäftigt.“

Adeg initiativ. Auch in Niederösterreich traf der Corona-Sturm den Handel plötzlich. „Es hat am Donnerstag vor dem Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkung begonnen und am Freitag den absoluten Höhepunkt erreicht“, erklärt Adeg-Kaufmann Walter Schmutterer mit seinen Standorten Sommerein, Trautmannsdorf und Reisenberg (Niederösterreich). Der Freitag war der umsatzstärkste Tag der Geschichte: „So etwas hat es bei uns nicht gegeben.“ Dabei schrieb der Kaufmann den dreifachen Umsatz zu vergleichbaren Wochentagen.

Zustellung steigt. Mittlerweile habe sich die Situation in der Fläche wieder beruhigt. „Der Zustellungsbereich ist aber massiv und um ein Vielfaches angestiegen.“ So kooperiert Schmutterer an seinem Standort in Sommerein mit den Gemeinden Mannersdorf und Sommerein. Über den Markt in Trautmannsdorf wird Stixneusiedl, Gallbrunn, Sarasdorf und Trautmannsdorf betreut. Und der Reisenberger Markt wickelt die Bestellungen aus Reisenberg ab. Dabei arbeitet Schmutterer mit den Gemeinden zusammen, die die Bestellungen gebündelt abholen.

Rewe liefert gut. Die Liefergeschwindigkeit der Rewe sei unverändert. „Wir werden einmal pro Tag mit dem Frischdienst und zwei Mal mit Trockensortiment bestückt, in Reisenberg wurde dieses Rad sogar auf drei Belieferungen erhöht.“ Punktuelle Ausverkaufssituationen gibt es dennoch: „Das betrifft zum Beispiel weiße Bohnen, Einlegkonserven, verschiedene Teigwaren oder gehackte Tomaten. Auch beim WC-Papier war die Nachfrage groß.“

Insgesamt rechnet Schmutterer mit einem leichten Umsatz-Minus. „Es gehen die Frequenzen zurück. Auch der Feinkost-Anteil ist geringer, dazu kommt das fehlende Jausengeschäft.“ Dennoch: „Die Kunden suchen aktuell lieber einen kleinen Markt als vielleicht einen Großverbrauchermarkt auf, um mit so wenig Menschen wie möglich zusammen zu kommen.“

Geht es nach dem Adeg-Kaufmann, dann brauche es aktuell eine Anpassung der Öffnungszeiten: „Ich denke, dass es gut wäre, wenn wir einheitlich um 17 Uhr schließen. Am Abend kommt derzeit kaum mehr jemand einkaufen.“

Regionale liefern zuverlässig. Ein sehr gutes Zeugnis stellt der Kleeblätt’ler den regionalen Direktlieferanten aus. „Diese Zusammenarbeit funktioniert reibungslos. Wir bekommen laufend frische Ware. Dazu punkten viele regionale Anbieter mit Zusatzsortimenten, die gerade beim ersten Peak sehr stark nachgefragt waren – zum Beispiel Mehl.“

Herbert Schneeweiß