Spar-Regionaldirektor Mag. Paul Bacher im REGAL Exklusiv-Interview über die Entwicklung in Kärnten und Osttirol, Raumordnung und Mehrweg-Quoten

Spar Kärnten meistert die Krise

  • Zweistelliges Millionen-Investitionsvolumen für 2020
  • Zwei neue Spar express Märkte in Planung
  • Drei Modernisierungen im Einzelhandels-Bereich, vier Filial- Relaunches, Interspar-Eröffnung in Osttirol

REGAL: Die aktuelle Situation rund um das Coronavirus hat den LEH fest im Griff, wie sieht es bei Spar Kärnten und Osttirol aus?
Paul Bacher: Wir bemerkten anfangs sehr starke Hamsterkäufe, die aber absolut nicht notwendig sind. Unser Lager ist gefüllt und unsere Mitarbeiter arbeiten auf Hochtouren, damit die Ware in die Märkte kommt. Der Lebensmittelhandel wird auch in Krisenzeiten regulär geöffnet haben.

2019 war das Rekordjahr der Spar mit einem nationalen Marktanteil von 32,7 Prozent und einem Umsatzwachstum von 4,7 Prozentpunkten. Der Gesamtumsatz in Österreich lag bei 7,2 Milliarden Euro, wie hat sich Spar Kärnten und Osttirol entwickelt?
2019 war ein sehr gutes Jahr für Spar Kärnten und Osttirol. Wir haben uns im Österreichschnitt entwickelt und sind gewachsen.

Und die verschiedenen Vertriebsschienen?
Alle Vertriebsschienen haben Wachstum generieren können. Wir hatten ein sehr gutes Filialjahr. Auch die Interspar-Märkte, die von der Spar-Zentrale in Maria Saal beliefert und von der Interspar-Geschäftsführung in Salzburg aus gesteuert werden, konnten sich sehr gut entwickeln.

Was war der Erfolgsfaktor der Filialen?
Die Filialen hatten alle ein sehr gutes Like-for-like-Wachstum. Die Projekte, die wir realisiert haben, konnten sich deutlich über Plan entwickeln. Neueröffnungen, Modernisierungen, Erweiterungen und auch Projekte, die wir schon vor zwei, drei Jahren eröffnet haben, haben eine übermäßige Steigerung auf bestehender Fläche, besser als der Schnitt, erzielen können.

Worauf liegt der Schwerpunkt 2020?
2020 wird das Jahr der Kaufleute mit drei Neueröffnungen. In Irschen eröffnet Kauffrau Sabrina Bernhard einen neuen Markt, hierbei handelt es sich um eine Standortverlegung mit 600 m2 und einem größeren Parkplatz. In Winklern im Mölltal eröffnet Kaufmann Dirk Holzmann an einem neuen Standort sein Geschäft mit ebenfalls 600 m2. Das größte Projekt im selbstständigen Einzelhandel plant die Familie Napetschnig: die Eröffnung eines Eurospars in Radenthein. Auch dort werden wir, vis-à-vis des bestehenden Supermarktes, einen 1.000 m2 Markt realisieren. In Planung sind auch zwei Spar ­express-Märkte, einer in Klagenfurt am Südring, der zweite Standort ist noch nicht offiziell.

In Österreich verzeichnet der Selbstständige Spar-Einzelhandel ein Wachstum von 3,7 Prozentpunkten, wie haben sich die Kaufleute in Kärnten und Osttirol entwickelt?
Die Kaufleute haben die gleiche Entwicklung wie in Gesamtösterreich erzielt, ein Plus von 3,7 Prozent. Sie sind auf bestehender Fläche gewachsen. In den letzten Jahren hatten die Selbstständigen immer ein sehr gutes Wachstum.

Sind Kaufleute schwer nachzubesetzen?
Wir arbeiten dagegen. Positive Beispiele sind Bernd Stromberger mit seinen drei Märkten und Manuel Tamegger, der im Filialbereich ausgebildet wurde und Ende des Jahres den elterlichen Betrieb in Mühldorf übernehmen wird.

Ist das regionale Sortiment ein Wettbewerbsvorteil für die Kaufleute?
Ja. Ein Beispiel: Lange bevor Spar lose Eier gelistet hatte, haben die Selbstständigen schon diese von den Bauern bezogen. Das ist eine große Stärke unserer Kaufleute und eine Chance für die österreichische Landwirtschaft.

Gibt es in Kärnten mehr rote oder grüne Systempartner?
In Kärnten gibt es mehr grüne Partner, das ist historisch so gewachsen.

Was ist weiter noch geplant?
In Treffen, im Bezirk Villach-Land, haben wir mit dem Bau bereits begonnen und werden dort den Standort verlegen und vergrößern. Trafik und Post werden mit uns übersiedelt. Im Filialbereich sind außerdem noch drei Projekte in der Pipeline. Im Oktober eröffnet in Nußdorf-Debant in Osttirol der Interspar neu.

Wie viele Neueröffnungen und ­Modernisierungen wurden im Jahr 2019 durchgeführt?
Im Filialbereich haben wir in St. Kanzian eine Erweiterung und einen Total-Relaunch gemacht und im Jahr 2020, rechtzeitig vor der Saison, werden wir auch noch eine Erweiterung durchführen. In der Millesistraße in Villach haben wir einen neuen Supermarkt mit angeschlossenem Ausbildungszentrum gebaut. Dort haben wir jetzt mehr Verkaufsfläche und mehr Parkplätze anzubieten. Wir hatten 2019 generell einen Villach-Schwerpunkt mit einer Standortverlegung in Villach-Lind und einem Neubau in der Treffnerstraße. In Krumpendorf und Hüttenberg haben wir außerdem Märkte modernisiert.

Waren 2019 Schließungen dabei?
Letztes Jahr hatten wir pensionsbedingte Schließungen im Einzelhandelsbereich. Zum Beispiel in Osttirol in Prägraten, dort ist Frau Weisskopf in Pension gegangen und wir haben keinen Nachfolger gefunden.

Sie eröffnen dieses Jahr zwei Märkte mit einer Fläche von 600 m2, was ist die Durchschnittsfläche in Kärnten?
Die durchschnittliche Verkaufsfläche ist steigend, allerdings im Österreich-Schnitt kleiner, bedingt durch die Kärntner Raumordnung, die nur 600 m2 zulässt. Die Verordnungen in Osttirol sind auch nicht liberaler. Es ist nur in wenigen Gemeinden möglich, einen Eurospar zu eröffnen. Nur in den Städten und Bezirksstädten und auch da nur, wenn ein freies Kontingent gegeben ist. Aber es soll ein neues Kärntner Raumordnungsgesetz geschrieben werden, es gibt auch schon einen ersten Entwurf, der hoffentlich vieles verändern wird.

In den Städten gibt es viele Leerstände und Geschäfte siedeln sich auf der grünen Wiese an, ist das noch so?
Das möchte ich so nicht gelten lassen, ich war früher für die Expansion in Oberösterreich verantwortlich und bin ein großer Freund von Innenstädten. Ich bin aber für Chancengleichheit. Wir brauchen in den Städten die Gelegenheit auch ebenerdig zu bauen und Parkplätze zu realisieren.

Geht der Trend hin zu mehr Fläche?
Ich würde gerne mehr Eurospar-Märkte bauen, für mich ist ein Eurospar die ideale Vertriebsschiene, also ein Lebensmittelfachmarkt, aber da ist die Raumordnung nicht auf unserer Seite.

Welche Investitionen sind für 2020 geplant?
Abgesehen von Modernisierungen und Neueröffnungen ist eine große Investition für die Tann geplant. Mit dem Bau des neuen Hochregallagers haben wir schon begonnen. Wir brauchen mehr Fläche und die Lieferplattform braucht auch mehr Platz. Außerdem werden wir am Tann-Standort, wo auch das IT-Kompetenz-Zentrum angesiedelt ist, ein Parkdeck errichten und noch heuer die Umstellung der umweltfreundlichsten Kältetechnik abschließen. Die Umbauarbeiten dauerten über zwei Jahre. Am Standort der Zentrale kommt im Großhandel die Erweiterung der Rangierfläche dazu und der Ausbau der Mitarbeiter-Parkplätze. In Maria Saal haben wir 2018 rund 23.000 m2 an Grund dazu gekauft.

Wie hoch ist dieses Investitionsvolumen?
Ein zweistelliger Millionenbetrag für alle Investitionen in Kärnten und Osttirol zusammen.

In puncto Sortiment, welche Trends entwickeln sich in Kärnten positiv?
Bio mit Spar Natur Pur ist nach wie vor Wachstumstreiber mit einem Plus von 16 Prozentpunkten. S-Budget entwickelt sich in allen Märkten sehr gut. Convenience wird immer mehr nachgefragt an Standorten wie dem Eurospar in Klagenfurt, Villacher Straße oder am Heiligen Geist Platz – viel Bewegung und viel Frequenz. Es geht aber an allen Standorten bergauf. Generell legt die Frische eine gute Entwicklung hin.

Zum Thema Öffnungszeiten und Tourismusregelung in Kärnten, was hat sich da getan?
Wir sind gegen eine Sonntagsöffnung – mit Ausnahme der Tourismusregionen, das funktioniert gut. Nur müssen wir die Stunden unter der Woche zusammensparen, weil wir ja nur 72 Stunden geöffnet haben dürfen.

Mehrweg-Pfand ist in aller Munde, was sind die Herausforderungen für die Kaufleute?
Mehrweg wird mehr werden, keine Frage. Wir unterstützen mit Leergut-Automaten und Förderungen für Kaufleute das neue Pfand-System. Bei Milch-Mehrweg beobachten wir einen sehr guten Absatz.

Danke für das Gespräch!

Anna Lena Wagner