Sigrid Göttlich, Commercial Director AC Nielsen

Supermärkte mit stärkstem Wachstum in der Krise

AC Nielsen: Wer gewinnt in der Krise?

  • 70 Prozent Umsatzplus im LEH, über 100 Prozent im DFH
  • 36,6 Prozent Zuwachsraten bei Eigenmarken, 23 Prozent bei A-Marken
  • Trend: One-Stop-Shopping

Im Lebensmittelhandel zeichnet sich seit Beginn der Krise in KW 9 ein starkes Plus ab, vor allem im Sortiment der Handhygiene und -reiniger. Hohe Steigerungsraten, so verrät Sigrid Göttlich, Commercial Director AC Nielsen, sind auch bei Konserven, Fertiggerichten, Grundnahrungsmitteln und Frische-Produkte, zu sehen. „In KW 11 war der Run in die Geschäfte verstärkt bemerkbar. Im gesamten LEH wird ein Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr von 70 Prozent verzeichnet. Im DFH waren es sogar über 100 Prozent“, so Göttlich gegenüber REGAL. Seit KW 13 liegt das Wachstum im LEH im hohen ein- bzw. zweistelligen Bereich. „Dies wird auch sicherlich noch einige Monate andauern, da das Zuhause der neue Lebensmittelpunkt geworden ist.“ Im DFH hingegen ist nach den Hamsterkäufen ein Minus zu verbuchen. „Die Bevorratung wurden getätigt, jetzt geht der Konsument vermehrt nur noch in ein Geschäft, um seinen Einkauf zu erledigen.“

Supermärkte stärker als Diskont. Die Supermärkte verzeichnen das stärkste Wachstum seit Beginn der Krise, gefolgt vom Verbrauchermarkt. „Dieser leidet etwas, da viele Verbrauchermärkte in Shopping-Centern angesiedelt sind.“ Die kleinen Flächen zeigen das geringste Umsatzplus. Die Diskonter konnten in den ersten Wochen stark zulegen, jetzt aber wird die extra Meile zum Diskonter nicht mehr gefahren.

Aktionen. In den Wochen vor Covid-19 kamen knapp drei Viertel des Umsatzwachstums aus Promotions. In KW 9 bis 12 nur noch rund ein Viertel. „Das Umsatzwachstum in den Wochen der Vorratskäufe kommt nicht mehr von Aktionen.“ Waren zu Beginn der Pandemie Mehl, Germ und Toilettenpapier die Verkaufsschlager, so bemerkt Göttlich Verlagerung zu Großverpackungen bei Getränken und Eis – das Impulsgeschäft leidet.
Die Nachfrage für Grundnahrungsmittel und Convenience-Artikel bleibt weiterhin hoch. „Konsumenten flanieren nicht mehr durch die Gänge, sondern planen ihren Einkauf. Das trifft vor allem Impulswarengruppen und Produkte zum Außer-Haus-Verzehr. Verbraucher gehen weniger oft einkaufen, dafür steigt der Warenkorb-Umsatz.“ Toilettenpapier wächst ungehindert zweistellig. Zuwachsraten sind auch bei Eigenmarken (36,6 Prozent Umsatzplus) und Hersteller-Marken (23,0 Prozent) im LH und DFH inkl. H/L zu verzeichnen.

Anna Lena Wagner