WKO Spartenobmann Handel und Adeg-Kaufmann Peter Buchmüller

WKO Spartenobmann Handel Peter Buchmüller im REGAL-Gespräch

WKO-Obmann Buchmüller über die aktuellen Entwicklungen

  • Kundenanzahl um zehn Prozent gesunken
  • Margen nicht gestiegen, Aktionen bleiben gleich
  • Händler klagten über schrittweise Öffnung

REGAL: Sie führen zwei Adeg-Märkte in Salzburg, wie sieht die Lage aus?
Obmann Peter Buchmüller: Der große Andrang ist vorbei. Die Kundenanzahl ist um zehn Prozent gesunken, dafür beobachten wir aber einen höheren Durchschnittseinkauf. Freitag ist jetzt ein stärkerer Einkaufstag als Samstag. Die Margen sind nicht gestiegen, Aktionen finden wie vor der Krise statt. Die Kunden halten sich an die Schutzmaßnahmen, jeder besitzt schon einen eigenen Mund-Nasen-Schutz. Nachdem nicht mehr gehamstert wird, mit Grundnahrungsprodukten wie Mehl, Zucker, TK-Fertigprodukten und Toilettenpapier, greifen die Konsumenten, bedingt durch die Schließung der Gastronomie, vermehrt zu Spezialitäten, wie heimischem Fleisch.

Mitte April durfte ein Teil der Handelsgeschäfte wieder öffnen, wie sieht die aktuelle Lage im Handel aus?
80 Prozent der Geschäfte, jene unter 400 m2 Verkaufsfläche und Baumärkte, dürfen derzeit, neben dem Lebensmittel- und Drogeriefachhandel, geöffnet haben (Stand 24. April 2020). Das stößt bei Betrieben mit 401 m2 Fläche natürlich auf Unmut. Außerdem wird von Händlern kritisiert, dass sie nicht Teile des Geschäfts absperren dürfen und somit auf verkleinerter Größe ihre Ware anbieten dürfen. Warum Geschäfte mit mehr Fläche, wo weniger Andrang wäre, noch nicht öffnen durften, sehen viele nicht ein.

Warum ist die Teil-Öffnung von Geschäften mit so wenig Begeisterung angelaufen?
Ob kleine oder große Betriebe, wir alle leben von der Frequenz. Diese bleibt, bedingt durch die Schließung der Gastronomie, aus. Außerdem haben die Konsumenten noch Angst. Die Baumärkte hingegen durften öffnen und haben Hochsaison.

Wie sieht es mit den Kosten und Umsätzen aus?
Jede Woche, seit der Schließung am 16. März, verlieren der Einzelhandel und der Großhandel mehr als 500 Millionen Euro, wurde von der KMU Austria berechnet. Jetzt, mit der Teil-Öffnung, wird es natürlich weniger, aber der Handel hat massive Umsatzeinbußen. Auch der Lebensmittelhandel hat nicht von der Krise profitiert.

Auch LEH-Bistro-Konzepte konnten nicht aufsperren, wie sieht der Umsatzrückgang bei C&C-Märkten aus?
Kiennast, Kastner, Wedl, Metro und AGM mussten massive Umsatzrückgänge hinnehmen. Zwar haben diese für Endkonsumenten geöffnet, das wiegt aber natürlich nicht das durch die Gastronomie verlorene Geschäft auf.

Wie wird sich die Krise auf das Einkaufsverhalten auswirken?
Bis wir wieder zur Normalität zurückkehren, wird es sicher noch bis Herbst dauern. Das Einpendeln der Umsätze wird aber noch länger dauern, ich schätze bis 2021.

Welche sind Ihre nächsten Schritte als Spartenobmann der WKO?
Wir hoffen natürlich, dass das Hochfahren der Geschäfte schneller stattfindet. Die großen Fragen sind jetzt jene der Finanzierung. Das Erhalten der Liquidität der Betriebe wird nun das bestimmende Moment der kommenden Wochen sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Anna Lena Wagner