Walter Scherb, Geschäftsführer von Spitz, setzt auf Regionalität

Spitz baut groß aus

Spitz macht Tempo. „Nein, die Krise hat unseren Innovations- und Investitionsprojekten keinen Abbruch getan. Für ein hochmodernes Hochregallager nehmen wir 15 Millionen Euro in die Hand“, so Scherb im REGAL-Interview. Regionalität ist bei allen Marken der Spitz-Gruppe gelebte Realität.

REGAL: Inwiefern hat die Corona-Krise eine Rück­besinnung auf regionale Lebensmittel bewirkt?
Scherb: Die vergangenen Monate haben eines bewiesen: Und zwar, dass die ÖsterreicherInnen sich auf die heimische Lebensmittelindustrie verlassen können. Damit hat sich bei vielen KonsumentInnen auch eine Rückbesinnung auf heimische bzw. regionale Lebensmittel voll­zogen – ein klarer Trend, der kürzlich durch eine AMA-Studie bestätigt wurde. Dabei hat die AMA im Zuge einer repräsentativen Erhebung 500 TeilnehmerInnen befragt, ob Corona ihr Einkaufsverhalten bzw. die Einkaufskriterien verändert hat. Diese Erhebung hat unter anderem ergeben, dass regionale und frische Lebensmittel stark an Bedeutung gewonnen haben. Darüber hinaus spielen die Kriterien Hygiene, längere Haltbarkeit, Qualität und Saisonalität eine große Rolle, oft noch vor dem Preis – anders, als vor der Corona-Krise. Die Zahlen der AMA-Studie sprechen für sich: Mehr als ein Drittel der Befragten will künftig häufiger zu heimischen Produkten greifen oder Lebensmittel direkt beim Bauern kaufen, rund 20 Prozent nehmen sich außerdem vor, weniger Produkte über einen ausländischen Versandhandel zu bestellen oder weniger zu verreisen. Eine Rückkehr zu den alten Einkaufsgewohnheiten strebt indes nur ein Viertel der Befragten an.

Warum ist Regionalität einer der größten Trends im Lebensmittelbereich?
as gesteigerte KonsumentInnen-Bedürfnis nach Lebensmitteln aus der Region, die unter anderem mit höherer Qualität und Nachhaltigkeit sowie kurzen Transportwegen assoziiert werden, ist einer der wichtigsten Trends im Lebensmittelbereich, der sich bereits seit einigen Jahren bemerkbar macht und durch die Corona-Krise zusätzlich an Bedeutung gewonnen hat. Die ÖsterreicherInnen wissen nun besser als je zuvor, dass sie sich auf die heimische Lebensmittelindustrie verlassen können – nicht umsonst rangiert diese auch in den Top 5 der heimischen Industriezweige. Heimische bzw. regionale Lebensmittel stehen für Sicherheit, höchste Qualität, Nachvollziehbarkeit und nicht zuletzt für die Förderung der heimischen Wirtschaft.

Betrifft dieser Trend sowohl den Einkauf im Handel als auch den Besuch in gastronomischen Betrieben?
Das Bedürfnis der ÖsterreicherInnen nach regionalen Lebensmitteln macht sich derzeit vor allem im Handel bemerkbar, gewinnt aber auch in der Gastronomie mehr und mehr an Bedeutung. Hier besteht allerdings noch etwas Handlungsbedarf, da in der Gastronomie oft noch nicht ausreichend auf die Herkunft der verwendeten Produkte hingewiesen wird. Im vergangenen Jahr haben wir in Zusammenarbeit mit dem Online-Marktforschungs-Institut Marketagent.com erörtert, welche Rolle Regionalität sowohl beim täglichen Einkauf, als auch beim Besuch in der Gastronomie spielt und dabei festgestellt, dass sich sowohl die OberösterreicherInnen, als auch die SalzburgerInnen eine verstärkte Kennzeichnung wünschen, was auf ihren Tellern landet.

Welche Produktgruppen stehen hier im Vordergrund?
Vor allem bei Fleisch, Molkereiprodukten und Gemüse, aber auch bei Spirituosen und Wein greifen die heimischen KonsumentInnen vermehrt zu Erzeugnissen aus der Region.

Wie trägt ein Lebensmittelproduzent wie Spitz den veränderten Bedürfnissen der Konsumenten Rechnung?
Wir sind stolz darauf, all unsere Produkte seit jeher ausschließlich in Österreich zu erzeugen und damit 100 Prozent der Wertschöpfung in Österreich zu erbringen. Überall, wo es möglich ist, setzen wir auf heimische LieferantInnen und können so von uns behaupten, dass Regionalität bei allen Marken der Spitz-Gruppe – Spitz, Gasteiner Mineralwasser, Auer, Blaschke, Puchheimer, GOAL und Honigmayr – gelebte Realität ist.

Wie hat sich die Corona Krise bei den Umsätzen im Spitz Sortiment ausgewirkt? (LEH/Gastro)
Als die Regierung Mitte März erste Maßnahmen ergriffen hat und sich die KonsumentInnen vermehrt mit Nahrungsmitteln eingedeckt haben, kam es bei uns zu einer steigenden Nachfrage. Mittlerweile hat sich dies aber wieder auf Normalniveau eingependelt. Die Schließung der gastronomischen Betriebe zu Beginn der Krise hat sich natürlich auch auf unsere Umsätze ausgewirkt – nach der Wiedereröffnung ziehen jedoch auch hier die Umsätze wieder merkbar an.

Auswirkungen auf Innovationstätigkeit?
Nein, die Krise hat unseren Inno­vations- und Investitionsprojekten keinen Abbruch getan. Um unsere Lagerkapazitäten am Standort zu erweitern, nehmen wir derzeit 15 Millionen Euro in die Hand, um ein hochmodernes, vollautomatisches Hochregallager mit 14.000 Stellplätzen und einer Photovoltaik­anlage auf dem Dach zu errichten. Auch der Bau unserer neuen Dosenabfüllanlage, die sich über 4.200 Quadratmeter erstrecken und ebenso mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet sein wird, macht große Fortschritte und wird voraussichtlich im Herbst 2020 abgeschlossen sein.

Wie zufrieden ist man mit der Entwicklung bei den Innovationen 2019, etwa der Gasteiner Dose?
Der Launch von Gasteiner Lemon, Gasteiner Grapefruit und Gasteiner Orange in der Dose ist im Jahr 2019 bei den KonsumentInnen so gut angekommen, dass wir bereits kurz darauf mit der Entwicklung einer weiteren Produktinnovation gestartet haben. Gasteiner Apfel stellt die ideale Ergänzung für unser
Portfolio dar und zeichnet sich ebenso wie die bereits bekannten Geschmacksrichtungen dadurch aus, dass es gänzlich auf Aromen, Fruchtkonzentrate, Zuckerzusätze, Süßungsmittel und Farbstoffe verzichtet. Es ist damit ein einzigartiges, 100 Prozent natürliches Erfrischungsgetränk.

Wo liegen die aktuellen Innovationsschwerpunkte?
Wer seit 160 Jahren erfolgreich wirtschaftet, hat gelernt, sich weiterzuentwickeln und niemals stehenzubleiben. Wir arbeiten in all unseren Produkt­bereichen an Innovationen – man darf also gespannt sein.

Robert Falkinger