Pfahnl: Die neuen Pläne

BROT/BACKWAREN im Trend

  • Silokapazitäten wurden erhöht, Spezialmehl-Nachfrage nimmt zu
  • Exportanteil liegt bei Backmischungen bei rund 70 Prozent

Längst gehören die Mühlen der Pfahnl- Gruppe zu den High-Tech-Werken des Landes. Akribisch, technisch affin und mit dem Gefühl für die Trends der Zeit stellte Eigentümer Andreas Pfahnl seine Standorte in Pregarten (Oberösterreich) und Enzersdorf an der Fischa (Niederösterreich) für die Aufgaben der Zukunft auf.

Silo-Kapazitäten. So antwortete er zuletzt auf die steigende Nachfrage nach unbehandeltem Mehl mit einem Ausbau seiner ­Silo-Kapazitäten. Der Invest: Drei Millionen Euro. „Die Kunden wollen oft keine Zugabe von einem Gramm Vitamin C auf 100 Kilogramm Mehl und keine Ascorbinsäure mehr“, erklärt Andreas Pfahnl im REGAL-Gespräch. Das Familienunternehmen schuf die Möglichkeiten, das Mehl zehn bis zwölf Tage ablagern zu lassen und setzt mit einer eigens ausgeklügelten Maturationsanlage auf die natürliche Reifung. „Kundenorientierung und Flexibiliät“, nennt es der Chef von rund 150 Mitarbeitern. Eine Ausrichtung, die sich bezahlt macht.

Umsatz. Denn: Pfahnl bleibt auf Wachstumskurs. Das letzte Geschäftsjahr endete mit Ende Juni trotz der Corona-Krise im Plus. Mittlerweile konnte die Gruppe ihre Umsätze auf 72 Millionen Euro pushen. Tendenz steigend. Denn: „Wir sehen sowohl in Österreich als auch im ­Export noch Möglichkeiten“, so Pfahnl.

Ausland. 40 Länder stehen derzeit auf der Auslandsgeschäfts- Agenda. „Die weiteste Destination sind dabei die Malediven“, so der Geschäftsführer. Wobei die Fokussierung, Know-how und Service immer mehr Türen öffnen. „Wir liefern Spezialprodukte nach Nordengland oder stellen Börek-Mehl für Südeuropa her“, so Pfahnl. Zuletzt beschäftigten sich die Entwickler der Pfahnl-Gruppe ein Jahr lang mit der richtigen Mischung für ein französisches Baguette: „Ein Produkt, das am Ende außen krustig, beim Brechen splittert und trotzdem innen weich bleibt.“ Der Vorstoß glückte. Eine Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, die in der ganzen Geschäftsgebahrung des Familienunternehmens ablesbar ist. Denn: Pfahnl stellt die gewünschten Mehle und Mischungen für jede spezifische und individuelle Anlage her. „Unsere Techniker sind dafür bei jedem Auftrag vor Ort.“ Dabei stieg die Nachfrage zuletzt aus Tschechien, Kroatien, Ungarn und ­Slowenien.

Umsatzverteilung. Insgesamt erwirtschaftet Pfahnl rund 40 Millionen Euro mit Backmitteln, 32 Millionen mit Mehl-Varianten. „Der Exportanteil liegt alleine bei den Backmitteln bei 70 Prozent“, so der Geschäftsführer.

Rohstoffe und Produkte. 280 bis 300 verschiedene Rohstoffe gehören ins Pfahnl-Repertoire. Rezepte für 650 unterschiedliche Produkte und Mischungen hat Pfahnl in der Schublade. Darunter: Viele Verschluss-Rezepturen. „Die exklusiv für einen Einzel-Partner kreiert werden.“ Die Innovationsrate ist hoch: „Sie liegt zwischen zehn und zwölf Prozent.“ Wobei 30 Prozent der Neukreationen aus eigenem Antrieb und eigenem Haus kommen. Rund 30 Prozent gehen auf Kundenanfragen zurück und „die restlichen mehr als 30 Prozent auf gemeinsame Produkte zusammen mit einem Partnerbetrieb.“

Produktentwicklung. Der letzte Vorstoß der Pfahnl- Produktentwicklung betraf ein neues Verfahren: Frozen-to-oven. „Dabei ist es möglich, ein tiefgefrorenes Produkt ohne Garen direkt in den Ofen zu geben. Das spart Energie, Verpackung und es fällt ein gesamter Verfahrensschritt weg. Damit kann jedes Unternehmen, jeder LEH-Markt einen Beitrag für die eigene Nachhaltigkeitsbilanz leisten.“

Corona. Die Corona-Krise hatte auch Auswirkungen auf die Pfahnl-Gruppe. „Auch bei uns stiegen die Absatzzahlen sprunghaft an und gingen dann wieder auf ein Normalniveau zurück. Der Lockdown der Gastronomie ist natürlich auch für uns spürbar.“ Auch für die Branche könnte es weitere Konsequenzen geben. „Die Eigenkapitalstruktur ist bei den Bäckereien nicht unbedingt berauschend, hier könnte es noch zu einigen ­Insolvenzen kommen.“ Bei Pfahnl hat ­Corona auch unmittelbare Auswirkungen. Das 20-Millionen-Euro-Projekt in Twer (Russland) wird aufgrund der aktuellen Situation auf das nächste Jahr verschoben.

Herbert Schneeweiß