Große Jubiläums Story: 125 Jahre Adeg

  • Von der Einkaufsgenossenschaft zur Marke ADEG
  • Von Edeka zu Rewe

Die Wurzeln reichen zurück in das Jahr 1895. Nach Graz. Als dort eine Einkaufs-Genossenschaft gegründet worden ist. Im ausklingenden 19. Jahrhundert kam die Mo­narchie der Habsburger ins Wanken. Politische Parteien entstanden. Etwa die Christlich-Sozialen unter Vogelsang. Mehr private Betriebe wurden gefordert. So entstanden noch unter Franz Josef I hunderte Genossenschaften. Viele davon Vorläufer der heutigen ADEG – Arbeitsgemeinschaft der Einkaufsgenossenschaften. 1929 dann ein Meilenstein: Um die Konditionen zu verbessern, schlossen sich in Leoben steirische Genossenschaften zu einem Dachverband zusammen, der Adeg. 1936 wurde die Wort-Bildmarke Adeg registriert.

Aufstieg nach dem Krieg: 2.700 Kaufleute. Was viele heute nicht mehr wissen: die Adeg war einst in Österreich groß und mächtig. So bestand die Adeg im Jahr 1974 aus 2.700 Kaufleuten! Mehr noch. Nach dem Krieg, im Jahre 1948, waren es sogar 4.500 Geschäfte. Zum Vergleich: Heute sind es rund 300, dafür aber mit größeren Flächen. Damals hatte man rund 200 Quadratmeter, 18 regionale Genossenschaften. „Der Marktanteil, der 1960 zwischen 8 und 9 Prozent betrug, lag 1970 bei etwa 15 Prozent“, schrieb Franz Koiner 1995 in der interessanten Festschrift „100 Jahre Adeg“.
Doch diese Marktanteile waren in den neuen Zeiten nicht mehr zu halten. 1994 stand man noch bei 1.617 Märkten plus 21 AGM. 2008 hatte man zwar noch 700 Geschäfte der Marken Adeg, Adeg aktiv und Magnet, jedoch schmolz der Marktanteil auf 5,5 Prozent nach Nielsen dahin.

Zentrallager Spittal/Drau. Die Adeg war also eine Großmacht im Handel. Auch noch in den 70ern und 80ern. Mit Lägern in Spittal (ab 1991), Traboch, St. Pölten, Wels, Salzburg-Bergheim oder Lauterach. Dazu kamen recht bald 21 Cash&Carry Märkte, die unter AGM firmieren. Und hinzu kam immer (bis heute) auch die selbständige Adeg in Wolfsberg, stark auch unter GF Jäger, die rund ein Prozent an der Adeg AG hielt. Und eine mächtige Adeg Zentrale am Gaudenzdorfer Gürtel. Und Neukauf-Großmärke, sowie von Dir. Wechselberger blendend geführte Magnet-Märkte, die später teilweise zu Merkur geworden sind. Eine Zeit lang bastelte man in den 90ern auch an der Contra Schiene.

Neue Partner Edeka und Rewe. Doch die Strukturen im Handel veränderten sich. Und der Schritt zu einem Partner wurde fällig. Zunächst bei der deutschen Edeka (Chiemgau, dann Südbayern) beheimatet, ging der Großhandel (Adeg Österreich) dann 2006 an die Rewe.

Die Aufbauer. Doch hinter Erfolgen stehen auch viele, viele Manager. Die Mittereggers etwa, zuvor Generaldirektor Dr. Thalhammer, dann Manager wie Günther Egger in der Steiermark, Stuppnig und Guggenberger in Kärnten, die Wichtl-Brüder Erwin und Alois, Dr. Liener, Mag. Obergantschnig bei AGM. Alles ehrenhafte Erfolgs-Manager, sonst würde Adeg heute mit seiner Genossenschaft nicht mehr bestehen. Hinzu kamen großartige Persönlichkeiten als Obleute, etwa der viel zu früh verstorbene Peter Haferl aus Atzenbrugg, Steurer aus Kärnten, heute Mag. Kovska. Bei Rewe führte Mag. Alexandra Draxler-Zima mit dem früheren Generaldirektor Frank Hensel die Adeg gekonnt in moderne Zeiten, ruhige Gewässer.

Homeland der Adeg war zweifellos immer Kärnten. Dort lag der Marktanteil früher bei gut 20 Prozent. Adeg war der Motor der Wirtschaft, Spiegelbild der Gesellschaft, Aushängeschild im Tourismus.

Großartige Kaufleute. Doch was wären gute Manager ohne die Motoren an der Front. Und das waren bei Adeg immer Kaufleute. Adeg als eine Heimat und Bühne für selbständiges Wirtschaften unter dem Dach einer starken Marke. Kein Einheitsbrei, kein Filialtum. Das ist das Erfolgsgeheimnis der Adeg. Einst wie heute. Starke Kaufleute wie Neumair, Buchmüller, Piber, Schuster, Reithofer, Kowalik, Tscharre, Gelbmann, Haferl, Pleschberger, Kurzmann, Ebner, Hubmann, sowie Schuss früher in der Steiermark, und viele, viele mehr. In vielen Orten, in vielen Dörfern. Der neue Dorfleben Report 2020 der Adeg zeigt, dass Adeg Geschäfte auch eine attraktive Bühne für Frauen als Unternehmerinnen sind. Immerhin, 80 Märkte werden derzeit von Frauen geführt, von Renate Prax (Sachsenburg) über Elena Leitner (Rangersdorf), Katharina Prachthäuser (Anthering) bis zur jüngsten Adeg Kauffrau Österreichs, Tamara Tilger aus Unzmarkt in der Steiermark.

Neue Ziele. Keine Frage, die Adeg ist ein wichtiger Teil von Österreichs Wirtschaftsgeschichte. Heute setzen die Vorstände Beck und Öllinger auf Regionalität, modernen Ladenbau, Kundennähe und Heimatverbundenheit. Auch heute noch sind die Kaufleute in der Genossenschaft mit Obmann Mag. Anton Kovsca organisiert. Die 300 Geschäfte mit knapp 500 Millionen Euro Umsatz ergeben laut RegioData gut zwei Prozent Marktanteil. Das Jahr 2020 steht nun ganz unter dem Motto: „Wir feiern 125 Jahre Tradition!“ Diese österreichische Erfolgsgeschichte lässt Adeg in einem kurzen charmanten Film, produziert von der Werbeagentur Merlicek & Partner, Revue passieren. Die Jahrzehnte vergehen, der Adeg Kaufmann mit seinem Markt mitten im Ort bleibt ein unersetzbarer Stützpfeiler als Nahversorger – immer mit einem offenen Ohr für die Bedürfnisse seiner Kunden und seiner regionalen Lieferanten.

Gregor Schuhmayer