Amir Tavakolian, Managing Director der Virtual Identity GmbH in Wien, spricht mit REGAL über den digitalen Werbeweg

Marketing Schwerpunkt: Der digitale Werbeweg

  • Vorteil von Social Media Werbung: zielorientiert, mess- und vergleichbar
  • Facebook als kostengünstiges Werbeformat
  • Kaufleute können Social-Media-Kanäle auch für Mitarbeiterakquisition, Kundenservice und die Kundenkommunikation nutzen

REGAL: Wie wichtig ist Social-Media-Werbung für Handelsunternehmen?
Amir Tavakolian: Social Media ist eine perfekte Ergänzung in der Bewerbung für Handelsunternehmen. Im Vergleich zur POS-Werbung wissen wir, mit wem wir sprechen und die Botschaft kann entsprechend angepasst und laufend optimiert werden. Außerdem können mit den Daten und Insights – auch völlig anonymisiert – wertvolle Erkennt­nisse für Produkte, Marken und Kommunikation gewonnen werden.

Was sind die Vorteile im Gegensatz zu POS-Werbung?
Der Handel kann einerseits den Einsatz von Social Media zielorientiert fokussieren (z. B. nur während der Öffnungszeiten zu werben), andererseits sind Retailer perfekt aufgestellt, um vollständig durchzumessen, was ihnen Social-Media-Werbung genau bringt und außerdem Online- mit Offline-Effekten zu vergleichen.

Wie beeinflusst Social-Media-Werbung den Kunden, damit dieser um am POS zum Produkt greift?
Wir können mit Social Media viel zum Thema Marke, das heißt im Bereich Bekanntheit und Image, als auch zum Thema Verkauf, beispielsweise Aktionen und Promotions, beitragen. Viele bekannte Werbeformen und -Formate, wie Couponing oder Aktionswerbung, lassen sich über Social Media genau dann ausspielen, wenn die potenziellen Käufer in der Nähe oder direkt im Geschäft sind – oder wenn anzunehmen ist, dass sie demnächst einkaufen. Grundsätzlich gilt: Social Media hat ein Nutzungsmuster, das „always on“ ist, sowohl bei den Kunden als auch bei Werbeformen.

Virtual Identity macht unter anderem Werbung für Spar und andere Handelsunter­nehmen, wie kann auch ein einzelner Kaufmann bzw. ein Handelsangestellter von Social Media profitieren?
Als Handelangestellter oder Kaufmann können Sie beispielsweise regional sehr gezielt Zielgruppen ansprechen – und effizient auf spezielle Angebote hinweisen. Außerdem haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, um auch regional im Bereich Mitarbeiterakquise über Social Media gute Erfolge zu erzielen. Darüber hinaus bieten viele Social-Media-Kanäle gute Möglichkeiten, um den Kundenservice und die Kundenkommunikation zu unterstützen.

Wie hat sich das Konsumentenverhalten in Anbetracht von Corona, Online-Shopping und Social Media verändert?
Der Online-Handel hat zugenommen und das Einkaufs- und Essverhalten haben sich verändert. Während zu Beginn der Corona-Krise vor allem Basis-Kategorien wie haltbare Nahrungsmittel und Haushaltsgüter mit zweistelligen Wachstumsraten verkauft wurden, waren es in einer zweiten Phase verstärkt Freizeitartikel für zuhause. Für die Lieferung haben Kunden mit mehreren Optionen experimentiert: Lieferungen zur Wohnungs­tür sind bis zu 20 Prozent gestiegen, aber auch Store-Pickups haben bis knapp zehn Prozent zugelegt. Auf Social Media beobachten wir, dass mehr Wert auf das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen (Handel und Marken) gelegt wird. Die Inspiration zu neuen Ausgaben kommt vermehrt über Kommunikationskanäle wie Instagram oder Facebook selbst: Beide Plattformen haben 2020 stark in den Ausbau von Shopping-Features investiert. (Quellen: Statista, New York Times, Pinterest, PwC)

Wird nur die junge Zielgruppe durch Instagram, Facebook & Co. ange­sprochen?
Nein, mittlerweile ist Facebook in der breiten Mitte angekommen. Die Generation über 60 zählt zu den am stärksten wachsenden Altersgruppen. Das heißt aber nicht, dass die jungen Facebook verlassen, sondern dass nun die gesamte Alterspyramide erreicht werden kann. Und das bei vergleichsweise günstigen Kosten.

Welche (digitalen) Marketing­strategien können wir in Zukunft im Handel erwarten?
Wir sollten ja eher vom Marketing im digitalen Zeitalter sprechen. Wir erwarten, dass sich – in Österreich zwar mit der üblichen zeitlichen Verzögerung – immer mehr Handelsunternehmen der Realität der Kunden anpassen – und damit auch dort Service und Leistungen anbieten, wo diese zu finden sind. Von der Bewerbung, über die Information, den Service bis hin zur Abwicklung oder zum Kauf. Ein wesentlicher interner Prozess bei Handelsunternehmen wird sein, die Abteilungen PR, Marketing und Vertrieb so zusammenzuschließen, dass sie gemeinsam zielorientiert Social Media einsetzen können. Ein weiteres Thema ist die Notwendigkeit einer laufenden Budgetierung von Social Media, um überhaupt die vorhandenen Potenziale heben zu können. Klar ist: Der Mitbewerbsdruck im Retail ist in Social Media genau so groß (oder wegen der zusätzlichen Player sogar größer) als im stationären Handel.

Vielen Dank für das Gespräch!

Anna Lena Wagner