GF Lorenz Wedl hat mit dem Handelshaus Wedl neue Pläne

Wedl: Sprint durch die Krise

  • Umsatz bricht um rund 30 Prozent ein
  • Nah&Frisch-Forcierung und neuer Fokus auf Endkonsumenten
  • Neubau in Saalfelden in der Pipeline

Es war und ist weiterhin eine Mammut-Aufgabe, die echte Feuerprobe für das junge Geschäftsführer-Trio im Handelshaus Wedl. Lorenz Wedl, der 30-jährige Chef und Sprecher der Geschäftsführung des Milser Großhandelshauses erlebte mit dem ersten Lockdown ein unternehmerisches Waterloo. „Wir haben in der zweiten Märzhälfte durch Inkrafttreten des ersten Lock-Downs rund 80 Prozent unserer Umsätze in dieser Zeit verloren, im April waren es 70 Prozent, im Mai rund 50 Prozent“, so Wedl im REGAL-Gespräch. Die Ertragsbasis Gastro und Hotellerie, die für 70 bis 80 Prozent des C&C-Umsatzes verantwortlich ist, brach praktisch zur Gänze ein.

Resümee. Heute, neun Monate später, biegt das Großhandelshaus Wedl wieder ins sicherere Fahrtwasser ein. „Auch wenn der zweite Lock-Down der Gastronomie vor der elementaren Wintersaison unser Geschäft natürlich weiterhin sehr belastet.“ Umsatzzahlen wie im letzten Jahr, wo die gesamte Gruppe 536,8 Millionen Euro erwirtschaftete und der Gastro-Großhandel auf einem Rekordniveau von 352,9 Millionen Euro reüssierte, sind dennoch außer Griffweite. „Wir sind akkumuliert mit November 26 Prozent im Minus. Mit Jahresende gehen wir von einem Rückgang von rund 30 Prozent aus.“

Künftig werden Standbeine verbreitert. Die Tiroler kommen damit wirtschaftlich nach einem herausfordernden Kraftakt mit einem tiefblauen Auge davon, unternehmerisch wirkte die Corona-Krise aber als Reformationsbeschleuniger. Das wesentlichste Conclusio: „Wir müssen uns künftig breiter aufstellen und die Krise auch als Chance sehen“, so der Geschäftsführer.

Nah&Frisch. So will Wedl wieder mehr auch die Endverbraucher einbeziehen. Zuletzt sank das Lebensmittelgeschäft im B2C-Bereich auf rund drei Prozent des Gesamtumsatzes. Die Nah&Frisch-Flotte pendelte sich bei wenigen, aber stabilen 46 Lieferstellen ein. „Wir haben dementsprechend schlecht auch von dem derzeitigen Höhenflug des LEHs profitieren können“, so Wedl. Mehr noch: Die Milser Nah&Frisch-Flotte performt ebenfalls „rot“. „Wir haben zu viele Standorte in Tourismus-Gegenden, die ebenfalls unter der Corona-Krise beträchtlich litten.“

Wedl will sich künftig noch mehr um die Kaufleute kümmern und die Möglichkeiten, mehr Endkonsumenten im C&C-Bereich einzubeziehen, prüfen. „Genauso wie die Geschäftsfelder Diskont und Lebensmittelhandel immer mehr verschwimmen, ist ähnliches bei Cash&Carry und LEH zu erkennen.“ Diverse Mitbewerber hätten das längst vorgezeigt. Die primäre Zielgruppe – Gastronomie und Hotellerie – wird aber weiterhin der Fokuspunkt vom Handelshaus bleiben. „Zusätzlich hat uns die Krise gelehrt, dass wir unsere Kundenschichten im B2B-Bereich breiter aufstellen müssen. Deswegen wollen wir in Zukunft auch vermehrt Kliniken und öffentliche Einrichtungen mit unseren Dienstleistungen ansprechen.“

Einheitlichkeit herstellen. Zudem schraubt Wedl an einer neuen Unternehmensstruktur. „Wir müssen dort, wo es möglich ist, Synergien heben und uns verschlanken.“ Zwei Baustellen hat Wedl in den letzten Monaten bereits abgeschlossen: Stichwort C&C-Berger & Wedl. „Wir haben hier die letzten Anteile gekauft und werden den Standort jetzt als gleichwertigen Markt unserer Flotte führen.“ In einem Stufenplan wird diese Angleichung erfolgen. Auch die Umbenennung des Namens stehe auf der Agenda. „Wir haben hier gerade bei Flugblättern und im Marketing Doppelgleisigkeiten gehabt.“ Ähnliches gelte für die Tochterunternehmung Duschlbaur in Kärnten, die bereits vollständig in den Mutterkonzern fusioniert wurde. Keine Strategie-Änderung gibt es hinsichtlich weiterer Beteiligungen. „An diesen wird nicht gerüttelt.“ Ein klares Bekenntnis legt Wedl auch für das Kaffee-Segment ab, obwohl das Geschäftsfeld von der Corona-Krise ebenfalls stark gebeutelt wird. „Wir verzeichnen auch dort ein Minus von 30 Prozent, sind aber weiter in über 60 Ländern aktiv. Neben dem Gastro-Großhandel liegen mitunter klar unsere Kernkompetenzen im Bereich der Kaffeeproduktion und des –vertriebs. Kaffee ist in unserer Firmen-DNA – hier wollen wir zukünftig auch weiterhin investieren und wachsen.“

Kostenreduktion. Dazu arbeitete Wedl sukzessive weitere Kostenblöcke auf, vereinfachte interne Prozess-Strukturen und die Bürokratie. „Wir sind in den letzten Monaten in jedem Fall effizienter geworden.“ Innerhalb des Unternehmens avancierte Covid auch als Digitalisierungsturbo. Die Bestellung über das Webportal nehmen massiv zu, der per E-Commerce generierte Anteil vom gesamten Zustell-Umsatz schoss von 32 auf 40 Prozent hinauf.

Sortimentsstraffung. Beim Sortiment stehen die Zeichen weiter auf Straffung. „Es braucht keine 70 unterschiedlichen Olivenöle.“ Aus den rund 30.000 angebotenen Artikeln sollen Schritt für Schritt 20.000 werden. „Und das obwohl wir in den boomenden Bereichen Regionalität und Convenience einige Produkte listen werden.“ Überhaupt hält das Tiroler Großhandelshaus mittlerweile bei 10.000 „rot-weiß-roten“ Produkten. Wedl: „Ich halte aber nichts von Herkunftskennzeichnungspflicht in der Gastronomie oder die Erfüllung von regionalen Quoten. Es braucht unternehmerische Freiheit und ein Einbinden von Saisonalität - letztendlich muss unser Kunde entscheiden, was er kaufen will. Wir sehen unsere Aufgabe darin, alles anzubieten, was aktuell am Markt nachgefragt wird.“

Einkauf. Zufrieden zeigt sich Wedl mit der Umstrukturierung seines Einkaufs. „Wir haben weiter vor rund 70 Lieferanten mit einem Gesamtvolumen von knapp 70 Millionen Euro über den Top-Team Zentraleinkauf abzuwickeln.“ Eine markante weitere Vertiefung der Zusammenarbeit sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht auf der Agenda.

Investitionen. Investitionsseitig hielten die Tiroler das hohe Tempo aufrecht. Das 16-Millionen-Euro-Projekt, das mit dem langjährigen Partner Wörndle Interservice – an dem Wedl zu 50 Prozent beteiligt ist – im Raum Bresica auf dem Plan steht, wird zügig vorangetrieben. „Der Rohbau steht“, so Wedl. So wird insgesamt eine Auslieferungsplattform mit rund 20.000 m2 für die Bearbeitung des norditalienischen Raums errichtet.

Weitere Projekte. Dazu wurden rund 300.000 Euro in eine neue Vinothek im C&C-Markt Innsbruck investiert. „Wir bieten hier erweiterten Platz für rund 2.500 Weine auf einer Fläche von 180 m2 an. Die neue Vinothek in Innsbruck fungiert zukünftig auch als Plattform für Gourmetveranstaltungen und Vinotheks-Events für Kunden. Wir sehen dies als neuen Wedl-Standard und wollen zukünftig mehrere unserer C+C Märkte in diesem Stil umbauen.“

Auch die Nachrichtentechnik wurde Hard- und Software-seitig in der Wedl-Zentrale erneuert und weiter in die LKW-Flotte investiert. Zahlen für 2021 nennt der Geschäftsführer nicht. „Wir sind mit dem Budget 2021 – aufgrund der außergewöhnlichen Rahmen­bedingungen – noch nicht ganz fertig.“ Dennoch: Auf der Agenda stünde ein C&C-Neubau in Saalfelden, die Modernisierung des Markts in Sankt Johann sowie weitere Invests in den Webshop.

Ausblick 2021. Trotz des zweiten Lockdowns bleibt Wedl für den Geschäftsverlauf 2021 optimistisch. „Wir haben im Sommer gesehen, wie schnell die Menschen wieder zur Normalität finden. Im Juni und Juli 2020 sind wir mit 95 und 98 Prozent sehr nahe auf das Vorjahresniveau gekommen. Ich rechne deshalb auch, dass wir in der zweiten Jahreshälfte wieder in die Nähe der 2019er Werte kommen können.“ Von der Politik erhofft sich der Junior-Chef mehr Sachkenntnis. „Wir werden als Gastro-Großhändler gerne mit dem LEH in einem Topf geworfen. Hier braucht es eine deutlichere Abgrenzung in der Betrachtung.“