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Marcel Haraszti, REWE-Vorstand

interview: Gregor Schuhmayer

REGAL Interview mit Rewe Vorstand Marcel Haraszti: 30 Prozent Eigenmarken-Anteil

Start mit Billa-Kaufleuten

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  • 400 Millionen Invest wird heuer durchgezogen
  • Adeg Kaufleute haben mit hohen Strompreisen zu kämpfen
  • Startschuss noch heuer mit einigen Billa Kaufleuten
  • Hunderte Stellen im Verkauf und Management offen
  • Nicht begründete Preis-Forderungen werden nicht akzeptiert

REGAL: Inwieweit drücken die höheren Kosten, die ja auch von der Landwirtschaft in den Handel getragen werden, auf den Ertrag?
Rewe Vorstand Marcel Haraszti:
Wir sind aktuell mit einer Vielzahl von steigenden Kosten bei Rohstoffen, Energie und Logistik sowie Preiserhöhungen der Lebensmittelindustrie und Lieferanten konfrontiert. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Ertrag und führt zwangsläufig dazu, dass wir bei einzelnen Warengruppen und Artikeln die Verkaufspreise erhöhen müssen. Wir achten allerdings strikt darauf, dass nur dort Preisanpassungen an die Kunden weitergegeben werden, wo es tatsächlich einen hohen Kostendruck gibt.

In welchem Ausmaß sind die Forderungen der Industrie nach höheren Preisen aufgrund gestiegener Kosten gerechtfertigt?
Die hohen Energiepreise betreffen uns genauso wie viele Lebensmittel-Produzenten. Allerdings: Erhöhte Preisforderungen von Herstellern und Lieferanten, die nicht durch gestiegene Kosten begründet sind, können wir nicht akzeptieren. Wir sehen es als unsere Aufgabe als Händler an, steigende Preise im Sinne unserer Kunden einzudämmen.

Müssen Investitionen verschoben werden?
Wir haben 2022 Investitionen von rund 400 Millionen Euro für Österreich veranschlagt und teilweise bereits getätigt. Damit arbeiten wir laufend an der Verbesserung und Weiterentwicklung unseres Filialnetzes.

Welche sind heuer die größten Projekte in Österreich. Es wurde ja auch immer wieder von Kaufleuten bei Billa gesprochen, kommt es nun wirklich heuer noch zu einem Start mit Selbständigen?
Persönlich freue ich mich, dass heuer die ersten Billa Kaufleute starten werden, dafür haben wir den Großhandel im Konzern vereinheitlicht und gestärkt. Wir werden aufgrund der momentanen Situation Energieeffizienz-Maßnahmen bei bestehenden und neuen Filialen weiter forcieren. Außerdem haben wir heuer unsere Tierwohl-Initiative „Fair zum Tier“ weiter vorangetrieben und möchten die Lebens- und Haltungsbedingungen heimischer Nutztiere noch weiter verbessern, in den nächsten Wochen stellen wir daher unsere Fleisch-Bedientheken ausschließlich auf Fair zum Tier und Ja! Natürlich um.

Hat sich die Umstellung von Merkur auf Billa Plus ausgezahlt und welche Bereiche profitieren besonders?
Die Umstellung hat sich definitiv ausgezahlt. Durch die Umstellung auf Billa Plus wurden Synergien genutzt und wir erhalten sowohl von Mitarbeitern als auch Kunden sehr gutes Feedback. Die positiven Effekte ziehen sich durch alle Bereiche, vor allem im Vertrieb, wo wir sieben regionale Vertriebsregionen gegründet haben, um noch stärker in den Regionen präsent zu sein.

Leidet die Großfläche frequenzmäßig unter den höheren Spritpreisen?
Wir bemerken, dass sich manche Kundenschichten grundsätzlich einschränken in Bezug auf den wöchentlichen Einkauf, aber weniger was die Mobilität betrifft. Wir als Nahversorger versuchen unseren Kunden die Situation mit qualitativ hochwertigen Preiseinstiegsprodukten, Aktionen und Rabatten etwas zu erleichtern.

Wie läuft das Format Billa Corso und gibt es hier eine Expansion?
Wir profitieren heuer vom wieder auflebenden Städtetourismus und dass viele Berufstätige aus dem Home-Office wieder das Büro in der Innenstadt beziehen. Im Billa Corso in der Ringstraße haben wir eine zweite Weinbar gelauncht, neben unserer Weinbar am Hohen Markt.

War die gute Entwicklung im Sommertourismus heuer auch in den Geschäften zu spüren?
Ja, wenn der Tourismus sich gut entwickelt, merken wir das auch schnell in unseren Saisonfilialen, das gilt für den Sommer wie für den Winter. Und mit der heurigen Saison in Österreich können wir im Tourismus wie im Lebensmittelhandel zufrieden sein.

Die Eigenmarken werden in einigen Bereichen ausgebaut. Sucht der Kunde in Abwechslung zum Diskont nicht gerade beim Vollsortimenter auch die Marke?
Unser Eigenmarken-Anteil beträgt 30 Prozent, das ist im Vergleich zum Diskont oder Systemmitbewerb ein geringer Wert. In der Vergangenheit haben wir in Bereichen, wo es sinnvoll war, unsere Eigenmarken ausgebaut. Das jüngste Beispiel ist unsere 2021 eingeführte Bio-Marke Billa Bio.

Wie läuft heuer die Adeg?
Die selbständigen Adeg-Kaufleute performen gut, obwohl einige Kaufleute stark mit hohen Strompreisen zu kämpfen haben. Wir unterstützen die Kaufleute bei Effizienz-Maßnahmen so gut es geht, aber es liegt hier vor allem an der Politik, Kaufleute sowie KMU generell spürbar zu entlasten. Was ich noch betonen möchte, mit den Tankstellen-Kooperationen sind wir sehr zufrieden, hier läuft derzeit die Zusammenführung der bp Tankstellenshops in die Billa Markenfamilie, die schrittweise von „Merkur Inside“ zu „Billa Now“ umgebrandet werden.

Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist jenes der Mitarbeiter. Wie vordergründig ist der Mangel an Mitarbeitern bei Rewe?
In unseren Märkten suchen wir verstärkt Mitarbeiter im Bereich Verkauf und besonders in der Feinkost und Gastronomie, aber auch generell Führungskräfte auf verschiedenen Ebenen. In unseren Zentralbereichen sind wir derzeit vor allem auf der Suche nach neuen Mitarbeitern in unseren IT-Abteilungen, wo wir mit mehr als 100 offenen Stellen unsere Digitalisierungs-Offensive vorantreiben möchten. Aber auch im Einkauf, im Marketing oder Finance würden wir uns über Bewerbungen freuen.

Sehen Sie aufgrund der Teuerung eine Änderung im Einkaufsverhalten?
Ja, wir bemerken eine höhere Preissensibilität bei den Kunden. Bei unserer Eigenmarke clever sehen wir ein dynamisches Wachstum, speziell bei Grundnahrungsmitteln. Gleichzeitig ist im Bio-Bereich die Nachfrage ungebrochen.

Welche Herausforderungen, aber auch Chancen sehen Sie bei klassischen Marken, welche Billa stets stark forciert hat?
Viele Marken genießen ein hohes Vertrauen. Das freut uns natürlich sehr, jedoch sind wir immer offen für neue Trends und Innovationen.

Billa ist ja mit einem veganen Testmarkt in Wien neue Wege gegangen. Welche Rolle spielen Innovationen und wie müssen diese aussehen?
Es ist uns ein wichtiges Anliegen, innovationsgeleitete Produzenten und einzigartige Ideen tatkräftig zu unterstützen. Wir freuen uns über jeden Produkt-Neuzugang. Vor kurzem haben wir den in Österreich einzigartigen Billa Pflanzilla eröffnet, der mehr als 2.500 plant-based Artikel führt.

Darf ich abschließend fragen, wie wurde dieser Markt in der Mariahilfer Straße angenommen?
Er wurde sogar super angenommen. Innovationen müssen für unsere Kunden interessant sein und nachgefragt werden. Wir setzen zudem auf regionale und lokale Produzenten. 

REGAL: Vielen Dank!


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