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interview: Verena Schneeweiß

Exklusiv-Gespräch mit Spar Kärnten-Direktor Mag. Paul Bacher in der Spar Kärnten Zentrale Maria Saal

Wir suchen händeringend Mitarbeiter!

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139 Standorte zählt Spar-Regionaldirektor Mag. Paul Bacher in Kärnten/Osttirol. Eines der Ziele: mehr Eurospar-Märkte bauen. Im kommenden Jahr wird ein Modernisierungs-Schwerpunkt auf der Stadt Lienz liegen. Die aktuell größte Herausforderung ist die Suche nach Mitarbeitern.

REGAL: Die Beschäftigungsquote ist hoch, der Arbeitskräftemangel auch. Wie geht es Ihnen mit dem Mitarbeiter-Thema?
Mag. Paul Bacher:
Wir suchen händeringend, und so intensiv wie noch nie, nach Mitarbeitern in allen Bereichen – vom Lager bis zur Verwaltung. Wir haben auch bei den Lehrlingen so viel gemacht wie noch nie, aber es ist trotzdem schwierig. Unsere neueste Idee zur Personalsuche ist die Bewerbung an Lichtmasten. „Der sichere Arbeitsplatz in deiner Nähe“ ist unser Slogan. 

Woran liegt es?
Ein Grund, etwa in der Gastronomie: Viele ausländische Mitarbeiter finden jetzt in ihren Heimatländern eine attraktivere Beschäftigung. Und es ist ein demografisches Thema. Ein Viertel aller Spar-Mitarbeiter in Kärnten und Osttirol ist über 50 Jahre. Wir sprechen alle an, die bei uns in Pension gehen, ob sie geringfügig weiterarbeiten wollen. Es gibt auch einige, die das nutzen. Ein Beispiel ist unsere 76-jährige Mitarbeiterin in Krumpendorf, die die Spirituosen-Abteilung betreut.

Liegt es am Gehalt oder an unflexiblen Arbeitszeiten?
So viele Möglichkeiten wie im Lebensmittelhandel hat man im Verkauf selten wo. In den 72 Stunden kann man viele Modelle umsetzen und flexibel auf die Wünsche eingehen. Ich glaube nicht, dass das abschreckt.

Wie groß ist Ihre Investitionsfreude in einer Zeit wie dieser?
Heuer haben wir in der Tann einige Infrastruktur-Investitionen vereinbart und setzen diese auch gerade um. In Kürze werden wir zum Beispiel unsere siebente Slicer-Linie in Betrieb nehmen. Diese wird dann nur für Veggie in SB-Packungen zur Verfügung stehen. Im Großhandel haben wir im Frühjahr unsere Umstellung auf CO₂ durchgeführt. Insgesamt haben wir sechs Millionen Euro investiert, um einen Beitrag für unser Klima leisten zu können. Wir haben außerdem unser Lager für Geflügel und Fisch erweitert.

Und bei den Outlets?
Wir haben im Vorjahr einige erfreuliche Projekte in Betrieb genommen – etwa in Irschen oder in Winklern. Eine Erweiterung gab es in Mühldorf. Das Mölltal hat uns im Vorjahr viel Freude gemacht. Ein Abriss-/Neubau-Projekt haben wir gerade in Obervellach, wo wir Mitte Oktober neu und auf vergrößerter Fläche einen Spar Supermarkt eröffnen. Es kristallisieren sich immer regionale Schwerpunkte heraus. 2021 war es der Bezirk Spittal und heuer ist es Klagenfurt, wo wir 19 mal vertreten sind. Heuer kommt ein Totalrelaunch in der Fischlstraße und in Welzenegg ein Abriss/Neubau, der Anfang Dezember eröffnet wird. 2023 werden wir den Markt in der Bahnhofstraße total relaunchieren.

Wie sieht es in Osttirol aus?
Wir haben schon einiges gemacht, seit ich da bin. Etwa in Matrei oder St. Jakob im Defereggental. Insgesamt sind wir mit 16 Standorten in Osttirol präsent. Die Stadt Lienz wurde – abgesehen von einem tollen, neuen Interspar – bisher etwas vernachlässigt. Wir sind hier mit vier eher veralteten Märkten vertreten, das soll sich ändern. Aktuell bauen wir den Markt in der Grafendorfer Straße neu auf – sogar mit einer Tiefgarage. 

Wie viel an Mehrkosten entstehen bei einem Neubau mit Tiefgarage?
Ein Parkplatz in der Tiefgarage kostet das Zehnfache eines ebenerdigen Parkplatzes. 

Aber in diese Richtung wird es ja künftig verstärkt gehen, Stichwort Raumordnung.
Genau. Das sind wirklich hohe Investitionskosten. Wir haben auch in Kärnten seit Jänner ein neues Raumordnungsgesetz. Die Zielsetzung ist: Liebe Händler, rettet uns die Innenstädte. Es gibt jetzt mehr Möglichkeiten, in den Innenstädten größere Märkte als mit 600 m² Verkaufsfläche zu machen. 

Wie viel wird heuer insgesamt investiert?
Ein zweistelliger Millionenbetrag. Das Investment ist in den letzten Jahren immer ähnlich hoch. Für 2023 ist es unser Ziel, einen Standort in Klagenfurt zu erneuern. Eine Zielsetzung ist es außerdem, unsere Anzahl an Eurospar-Märkten zu erhöhen. 2021 haben wir den Eurospar in Velden eröffnet, der wird sehr gut angenommen. Im nächsten Jahr wollen wir zwei Supermärkte auf Eurospar erweitern. Es wird immer schwieriger, Projekte umzusetzen. Jede zusätzliche Versiegelung wird hinterfragt. Die Genehmigungs-Verfahren dauern länger.

Das heißt, die ideale Fläche wird tendenziell größer?
Wir haben fast alle 400er- auf 600er-Märkte ausgebaut. Ich bin Anhänger des Eurospar-Konzeptes, weil es ein Lebensmittel-Fachmarkt ist. Jede mögliche Chance, wo wir einen Supermarkt auf Eurospar ausbauen können, möchten wir ergreifen. Gerade in Pandemiezeiten hat sich dieses Format bewährt. 

Wie entwickelte sich die gesamte Verkaufsfläche über die letzten Jahre?
Die Standortanzahl geht etwas zurück, die Verkaufsfläche liegt ziemlich stabil bei rund 100.000 m². Es gibt bei den selbstständigen Kaufleuten einige Pensionierungen – kleine Standorte, wo es niemanden gibt, der es weiterbetreiben möchte. 

Wie ist das Verhältnis von Besitz und Miete der Gebäude?
Wir haben sicher eine andere Aufteilung als andere Zweigniederlassungen. Wir haben den Großteil im Eigentum. 

Wie sieht die Umsatzentwicklung in Ihrer Region aus?
Heuer entwickelt sich der Westen stärker als der Süden und Osten, das ist kein Geheimnis. 2021 gab es dort pandemiebedingt große Probleme aufgrund von fehlendem Tourismus. Wir liegen nach Vorarlberg und Tirol im Mittelfeld und haben Like-for-Like eine gute Entwicklung. Der Sommertourismus ist für Kärnten sehr wichtig mit 74 Prozent, der Winter hat nur 26 Prozent Bedeutung, der wird immer überschätzt. Diese Sommersaison war ähnlich gut wie 2021, vielleicht etwas schwächer. Man hat gemerkt, dass wieder ins Ausland gereist wird.

Die Kosten steigen auf allen Seiten. Wie ist die Stimmung bei Ihrer Mannschaft?
Grundsätzlich ganz gut. Aber die Erschöpfung des „Dauer-Krisenmodus“ und wenig Wertschätzung zehren sicher. Viele Leute lassen ihren Frust bei unseren Mitarbeitern aus. Natürlich ist Verunsicherung spürbar, aber ich bin guten Mutes, dass wir auch gut durch die nächste Krise kommen werden. Zu den Preisen: Hier muss auf politischer Ebene eine Lösung her, auch von Seiten der EU. Wir brauchen vernünftige Energiepreise. 

Um welche Schraube geht es Ihnen hier vor allem?
Photovoltaik versuchen wir bei allen unseren Eigentumsmärkten einzusetzen. Die neuen Märkte sind thermisch super gebaut. Unser Thema ist eher der Strom. Das trifft uns überall. 

Wie haben sich die Warenkörbe in Ihrer Region aktuell verändert?
Auch wir merken einen Anstieg von S-Budget und Preiseinstiegslage generell. Die Kunden decken sich wieder mehr mit Aktionen ein. Bio hat noch gute Zuwächse, aber nicht mehr ganz so wie im Vorjahr. Eine Schwelle gibt es auch bei regionalen Produkten, ein Praxisbeispiel: Ein Eierbauer hat im Umfeld des Standortes zehn Eier für 4,99 Euro verkauft. Dann folgte eine Preiserhöhung auf 5,99 Euro. Ergebnis: Minus 40 Prozent. Jetzt sind die Eier wieder für 4,99 Euro erhältlich und der Absatz hat sich normalisiert. Andere Kaufleute berichten von MHD-Problemen bei lokalen Produkten, die es davor nie gab. 

Vielen Dank für das Gespräch.


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