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Interspar Tatabánya

text: Lisa Weber

Exklusiv-Interview mit Spar Ungarn CEO Gabriella Heiszler

Spar: Handels-König in Ungarn

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  • Sondersteuer könnte Steuerkosten beinahe verdoppeln
  • Strenge Höchst-Preise drücken Umsatz und Gewinn
  • Fleisch ist ungarischer Umsatz-Treiber
  • Schon 620 Geschäfte zwischen Györ und Debrecen

Treffpunkt: Tatabánya. Ein 4.000 Quadratmeter großer Interspar-Koloss. Errichtet in einer Industriestadt, innerhalb von knapp fünf Monaten. „Der Markt ist ein wichtiger Ankerpunkt für die umliegenden Arbeiter und das Wohnviertel“, erklärt Spar Ungarn Chefin Gabriella Heiszler bei der Marktbesichtigung. 

Non-Food macht hier einen Anteil von etwa 13 Prozent aus. „Wobei das Ziel eigentlich elf Prozent für Ungarn gesamt wären. Das Sortiment ist aber gefragt.“ Ansonsten stehen auch Eigenmarken hoch im Kurs. „Wir sind stark gestiegen und liegen bei einem Umsatz-Anteil von 31,5 Prozent. Besonders S-Budget ist mit 25-prozentigem Anteil sehr hoch.“ Diese Entwicklung liegt vor allem an der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Ungarn.

Feinkost. Auf der Suche nach Unterschieden zu österreichischen Sortimenten fällt vor allem eines auf: Das österreichische Phänomen Feinkost fällt hier etwas anders aus. In Ungarn steht die Feinkost für breite Vitrinen-Landschaften, mit Fleisch in Bedienung. Heiszler verrät: „Fleisch macht gute zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Markt aus.“ Top-Seller: Schweine- und Hühnerfleisch. Zweiteres vor allem, wegen des günstigen Preises. Rindfleisch sei in Ungarn kaum relevant. „Gegenüber Schweinefleisch macht Rind vielleicht zehn Prozent aus.“ Fleischersatz ist übrigens eine Randerscheinung, die sich nicht so recht etablieren möchte. „Sojaprodukte und Co. bekommen wir hier meistens nur rabattiert aus dem Regal.“

Politik. Im Markt scheint reges Treiben, doch die wirtschaftlichen und politischen Umstände machen zu schaffen. In Ungarn wurde ein Preisdeckel auf viele Grundnahrungsmittel gesetzt. „Haltbarmilch, Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Mehl, Zucker und mehr. Es betrifft viele Warengruppen, wir müssen neue Produkte zum Preis vom 15. Oktober 2020 verkaufen. Das meiste geht also unter dem Marktwert raus.“ Ein Minus von mehreren Millionen Euro, jedes Monat. Neulistungen werden dadurch erschwert. „Und das bei einer Inflationsrate von 16 Prozent im letzten Monat – kumuliert für die letzten vier Monate sind es zehn Prozent. Neben einem Wertverlust der Ungarischen Forint um 15 Prozent. Die Regierung möchte damit die Inflation um zwei Prozent senken.“ Einzige mögliche Beschränkung an die Spar-Kunden: „So wie alle Konkurrenten, mussten wir maximale Abgabemengen einführen. Die Preise sind teils günstiger als im Großhandel.“ Das zog auch Gastro-Kunden an.

Schwierige Lage also, für die Spar in Ungarn. Und die Regierung möchte nun zusätzlich eine Sondersteuer für ausländische Konzerne erheben. In Zahlen würde das bedeuten: „2021 haben wir 37 Millionen Euro gezahlt. Nach der neuen Regelung werden es 67 Millionen sein. Wir stehen mit der Regierung in Verhandlung und hoffen auf eine Linderung“, betont Heiszler. 

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„Spar trägt einen hohen Wert für Ungarn, wir sind die Nummer zwei am Markt mit einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Viele Lieferanten hängen an uns, ganz zu schweigen von dem Versorgungsauftrag.“ 14.500 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern zur Zeit. „Und 250 Mitarbeiter würden uns zusätzlich noch fehlen.“ Ob Ungarn einen wichtigen Wirtschaftsfaktor letztendlich wirklich so abstrafen möchte, steht noch in der Schwebe.

Bistro. Das Gespräch geht im kleinen Interspar „To Go“ Bistro weiter. Große Interspar Restaurants gibt es in Ungarn keine. „Wir haben das vor einigen Jahren versucht, es kam aber nicht gut genug an. Die Leute essen lieber nur einen kleinen Snack oder trinken einen Kaffee, vor oder nach dem Einkauf“, erzählt die Spar-Chefin, mit Blick auf die kleine Vitrine. Darin vorrangig enthalten: Fleischwaren, also Würstel und Co.

Maßnahmen. Neben laufenden Verhandlungen mit den Lieferanten mussten in Ungarn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. „Wir sind in laufendem Kontakt mit unseren Lieferanten – aber für alle haben sich die Energiepreise erhöht, der Spielraum für Preissenkungen ist nicht groß. Das Marketing mussten wir großflächig einfrieren. Flugblätter sind zwar ein wichtiges Instrument in Ungarn – immerhin steht die Auflage bei mehr als zwei Millionen Exemplaren pro Woche. Aber das Design wurde zweitrangig, und der Platz stark verringert. Es gab auch im Sortiment Rationalisierungen, wir achten stark darauf, auf was verzichtet werden kann. Der Aktionsanteil, normalerweise bei 35 Prozent, muss ebenfalls verringert werden.“ Interessanter Fakt: Im Gegensatz zu den allseits beliebten Flugblättern, liegt die größte ungarische Tageszeitung bei einer Auflage von nur 100.000 Stück. „Auch daran merkt man, dass aufs Haushaltsbudget geschaut wird. Die Ungarn geben kein Geld für etwas aus, das digital gratis verfügbar ist.“  

Und schweren Herzens müssen auch teilweise Geschäfte vom Netz genommen werden. „Das versuchen wir natürlich zu vermeiden. Aber in Städten mit zwei Standorten müssen wir schon beobachten, ob einer zu schwach performt. Eine Stadt zu verlassen ist natürlich nie gut, aber wo es Sinn macht, müssen wir handeln. Da gibt es regional sehr große Unterschiede. Hier sehe ich auch eine Stärke der Krise. Es werden Entscheidungen getroffen, die sonst noch sehr lange gebraucht hätten.“

Nullsummenspiel. Ein großes Plus wird Spar in Ungarn heuer also wohl nicht machen. „Wir möchten die schwarze Null.“ Wichtig ist für die Chefin, die Motivation der Mitarbeiter hochzuhalten. „Unsere Angestellten müssen Konzernseitig eine positive Einstellung vermittelt bekommen. Daran arbeiten wir jeden Tag.“

Mit neuen Standorten ist das Unternehmen zurückhaltend. „Wir haben derzeit 614 Spar und Interspar Shops, mit allen Unterkategorien. Neue Flächen zu erschließen ist schwer möglich, die Bauverordnungen lassen das nicht zu. Diese Filialen gehen eher an die heimische Konkurrenz.“ Aber das hält das Unternehmen nicht davon ab, seine Filialstruktur auszuweiten: „Wir konzentrieren uns darauf, fremde Filialen zu übernehmen.“ 

Ein Push für Einzelhändler ist geplant. Genau genommen sollen sogar Spar Märkte Stück für Stück zu Spar Franchisern werden. „Vier bis fünf Standorte pro Jahr zu switchen, ist das Ziel. Die Hälfte der Filialen sollen in ferner Zukunft privat betrieben werden, mit 20-prozentigem Umsatz-Anteil. Wir erkennen hier eine große Chance, unsere Spar Partner gibt es erst seit zehn Jahren, sie machen aber bereits zehn Prozent des Umsatzes aus“, erzählt Heiszler über die knapp 100 ungarischen Kaufleute. Prämisse für das sportlich gesteckte Ziel: Qualität vor Quantität. „Wir wollen wachsen, wo es Sinn macht. Besonders positiv: Die Einzelhändler betrifft auch die Sondersteuer nicht in diesem Ausmaß.“

Logistik. Die Logistik wird gefordert. Vor drei Jahren wurden 10.000 m² hinzugebaut. Seit der Pandemie ist der Platzbedarf noch gestiegen, weshalb zusätzliche 9.000 Palettenplätze angemietet wurden. Die eigene LKW-Flotte macht 55 Prozent der Fahrzeuge aus – nicht ganz so einfach gestaltete sich in der Vergangenheit das Beschäftigen von neuen Mitarbeitern. „Wir haben aber eine Prämie für langjährige Mitarbeiter eingeführt, auch das Anwerben von Kollegen bringt ein Goodie. Und seit Covid sehen die Fahrer den Wert im Daheimsein mehr. Die Lage hat sich sehr beruhigt.“ Dass sie trotzdem sofort zehn Fahrer umgehend aufnehmen könnte, will Heiszler dabei aber nicht verschweigen.

Stock-out gab es in Ungarn, laut der Chefin, niemals im „klassischen“ Sinne. „Wir konnten immer auf andere, ähnliche Produkte ausweichen. Es gab zum Beispiel immer Hühnerbrust, aber nicht immer vom gewohnten Anbieter. Gerade auch, weil uns die Geflügelgrippe zu schaffen gemacht hat. Oder Tomaten, auch hier gab es eine Plage. Manchmal gab es in bestimmten Warengruppen dann eben weniger Auswahl.“


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