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Mag. Gregor Herzog, GS1 Austria-Geschäftsführer © GS1 Austria/Katharina Schiffl

interview: Verena Schneeweiß

GS1 Austria-Geschäfts- führer Mag. Gregor Herzog im REGAL- Interview über die Zukunft des Strichcodes und Transparenz.

Es geht alles in Richtung 2D-Code

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  • Artikelnummern können 24/7 abgeholt werden
  • neues Service für Verpackungsdaten

REGAL: Die GTIN hatte ihren 50. Geburtstag. Wrigley’s Jucy Fruit Kaugummi war damals das erste Produkt, dessen Strichode an der Kasse wurde. Wohin geht die Reise?
Gregor Herzog:
Es wird der Tag kommen, wo der klassische lineare Code abgelöst wird. Es geht alles in Richtung 2D-Code. Eine Möglichkeit ist die Loslösung vom optischen Datenträger. Ich denke da etwa in Richtung RFID, beispielsweise in der Logistik. Der Vorteil: Es bräuchte keine optische Verbindung von Barcode und Lesegerät mehr. Zwei Unternehmen, die stark auf RFID setzen, sind Decathlon und ÖBB. Künftig wird außerdem Data Sharing ein großes Zukunftsthema sein. Also: Wie sieht ein Produkt aus, wie ist es zu lagern, etc.? Das zyklische Denken wird die Konsumgüterindustrie stark prägen. 

Hatten diese zwei letzten Pandemie-geprägten Jahre Auswirkungen auf die Angebote von GS1? Stichwort Zunahme des Online-Shoppings.
Ja. Wir haben gemerkt, dass zum Beispiel jene, die früher direkt vertrieben haben, auch stärker über den Handel (sei es stationär oder online) vertreiben. Es gibt ein signifikantes Wachstum unserer Kunden, die GS1 Standards verwenden. Wir haben insgesamt 11.000 Kunden bei GS1 Austria. Das ist ein Wachstum von sechs Prozent. Amazon verlangt zum Beispiel eine GTIN von seinen Sellern. Wir haben so reagiert, dass man sich 24/7 eine Artikelnummer holen kann. Damit gibt es keine Barriere mehr – das ist auch für Start-ups ein interessantes Angebot. Eine Veränderung, die wir wahrgenommen haben, ist die kürzere Verweildauer. Also zum Beispiel Kunden, die sich eine Artikelnummer holen und denen später wieder die Listung entzogen wird. Die Intervalle werden kürzer. 

Wie sieht es mit regionalen Anbietern aus?
Der größte Wachstumstreiber ist hier die Wein-Branche.

Sie sind seit einem Jahr Vorsitzender von GS1 in Europe. Was steht aktuell auf der Agenda?
Ein Beispiel: Wir erwarten für Ende März eine Richtlinie, die Vorgaben für den digitalen grünen Produktpass macht. Die Lebenszyklen von Produkten sollen verlängert werden. Ein Bereich, der vorgezogen wurde, sind Batterien. Da sind wir schon weit. Im weiteren Fokus der Kommission sind Textilien und Elektronik. 

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Und die Konsumgüterbranche?
Auch hier müssen GS1 Standards für die Identifikation von Komponenten und Akteuren entlang der Wertschöpfungskette verwendet werden. Bei Konsumgütern geht es in Sachen Nachhaltigkeit vor allem um die Verpackung und entsprechende Quoten, die zu erreichen sind. Die zweite Komponente ist die Koordination der europäischen GS1 Gesellschaften, von denen es 49 gibt. 

Können Sie weitere Beispiele nennen, die Sie als GS1 in Europe-Vorsitzender beschäftigen?
Unser Europa-Begriff geht hier relativ weit. Dabei geht es um ein gemeinsames Verständnis, wie wir die GS1 Standards umsetzen wollen. Das ist im Sinne der Produzenten, sonst müsste für jedes Land eine eigene Charge gefahren werden. Russland will beispielsweise jedes Produkt, das importiert wird, registriert haben. Wir kämpfen dafür, dass das mittels GS1 Code passiert. Es ist unser Bestreben, die Sachen möglichst simpel zu halten. 

Ein wichtiger Bereich auf der europäischen Agenda ist der Green Deal.
Richtig. Von den acht Politik-Bereichen interessieren uns vor allem „Farm to fork“ und „Sustainable Industry“. Am Beispiel Verpackung: Gemeinsam mit der PACKAGING Cockpit GmbH bieten wir das Tool Packaging Cockpit an. Darüber wollen wir Verpackungsinfos über unsere Stammdaten sammeln und eine Möglichkeit anbieten, dass diese Informationen auch verarbeitet werden. Bei Verpackung sind viele Fragen offen, das ist ein Fall für uns als Standardisierungsorganisation. Etwa: Wie nennen wir eine bestimmte Art der Verpackung? Welche Maßeinheiten verwenden wir? Was verlangt der Gesetzgeber? Es geht um die Erstellung von Datenprofilen, damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Der Händler bekommt strukturiert alle Verpackungsinformationen und kann die Daten kollektiv verarbeiten. Ein Anwendungsbereich sind Nachhaltigkeitsberichte. 

Stichwort Rückverfolgbarkeit. GS1 Trace wird weiter gepusht. Sind Sie zufrieden mit der aktuellen Response und wo soll hier die Reise hingehen?
Mehr kann es immer sein, ich würde mich natürlich über mehr Zuspruch freuen. Wir glauben aber, dass dieses Thema noch kommen wird. GS1 Trace ist das High EndProdukt. Alle Ereignisse entlang der Wertschöpfungskette sind hier festgehalten. Für kurze Supply Chains macht das Sinn. Nicht jede Lösung passt zu jedem Produkt, es ist nicht immer one fits all. Es kommt auch darauf an, was der Hersteller wem kommunizieren möchte. 

Wer sind hier die Treiber?
Der Handel als Vertreter der Konsumenten und der Gesetzgeber. 

Ein ganz anderes Thema: Welche Vorteile hat der GS1 Digital Link?
Der Digital Link ist eine Möglichkeit, um schneller in Kontakt mit dem Konsumenten zu treten. Der Barcode auf dem Produkt wird eingelesen, die hinterlegte URL verbindet den Käufer direkt mit dem Hersteller. Multifunktionalität ist hier das Zauberwort. Ein Code, der über 3.000 Zeichen enthalten kann. Von der Artikelnummer, über das MHD bis hin zu Video-Content. Das ist auch für die Filiallogistik nicht ganz unrelevant. Unsere ersten Zielgruppen sind Solution Provider. Es gab bereits erste Versuche mit Eiern und Beutelsalaten das MHD in einem Strichcode zu verschlüsseln und damit maschinenlesbar zur Verfügung zu haben. Manche Händler sehen diese Funktion aber auch kritisch, weil sie jene sein wollen, die mit dem Kunden kommunizieren. 

Das deutsche Einweg-Pfandsystem basiert auf GTINs. Auch in Österreich denkbar?
Wenn die Verpackung zurückkommt, egal ob Mehrweg oder Einweg, muss sie mit einer Nummer identifiziert werden. Auch der Hard Diskont, wo es bisher noch keine Rücknahme gab, muss dann Flaschen – auch von der Konkurrenz – zurücknehmen. Eine überbetriebliche Identifikation ist notwendig. Das ist ein Fall für GS1. Im niederländischen Pfandsystem werden die GS1-Nummern verwendet. 

Danke für das Gespräch.

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