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Mag. Gregor Herzog ©  GS1 Austria/Katharina Schiffl

interview: Verena Schneeweiß

Zum Jahresauftakt gibt GS1 Austria Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog einen Ausblick auf 2024

Die neue Qualität der Daten

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  • Fünf herausfordernde EU-Regulatorien in den nächsten Jahren
  • Recycling Pfand Österreich setzt auf GS1

REGAL: Herr Herzog, Sie haben drei Jahre als Vorsitzender von GS1 Europe hinter sich. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Gregor Herzog: Eine Aufgabe war es, einen Know-how-Transfer zu anderen Ländern zu entwickeln, etwa zentral- und osteuropäische Länder stärker einzubinden. Das ist natürlich auch für Händler relevant, die von Österreich aus ihre Agenden in diesen Ländern steuern. Österreich hat hier eine gewisse Brückenfunktion. Was uns noch mehr gefordert hat, ist der „Tsunami“ der europäischen Regulation. Hier kommen große Veränderungen auf uns zu, die die Supply Chains betreffen. Hier kann GS1 viel dazu beitragen. Standards sind hilfreich, bringen mehr Effizienz und Transparenz. Außerdem schaffen sie weniger Abhängigkeit von Dienstleistern. Eines der größten Projekte, wo wir enorm weitergekommen sind, ist der Digital Product Passport.

Sie haben es bereits erwähnt, die EU hält für 2024 und 2025 einiges an Regulatorien bereit, Stichwort Green Deal. Könnten Sie uns einen Überblick geben?
Es sind im Wesentlichen fünf große Regeln. Erstens: Hinter der Abkürzung ESPR verbirgt sich der digitale Produktpass. Wir gehen von einer Umsetzung ab 2027 aus. Es ist sehr realistisch, dass GS1 Standards eingesetzt werden. Hier geht es noch um die Ausformulierung für einzelne Branchen wie Textil, Werkzeug, Automobil oder Consumer Electronics. Das wird definitiv ein Gamechanger sein und wegweisend dahingehend, wie Supply Chain künftig funktionieren wird. Zweitens: Deforestation. Die Entwaldungsrichtlinie tritt bereits 2025 in Kraft und betrifft die Rinderzucht, genauso wie Soja-, Kakao- oder Kaffee-Anbau. Drittens: PPWR. Im Ver­packungsbereich dreht sich alles um die Kreislaufwirtschaft. Nicht kreislauftaugliche Verpackungen werden künftig verboten. Ein Beispiel dafür ist die klassische Butterver­packung, die bisher nur thermisch verwertet werden kann. Hier gibt es einen Wechsel von Richtlinie auf Verordnung. Viertens: CSRD steht für Corporate Sustainability Reporting Directive und meint die ökologische Nachhaltigkeit. Punkt fünf ist CSDDD und gemeinhin als Liefer­kettengesetz bekannt. Hier steht die soziale Nachhaltigkeit im Vordergrund. 

Inwiefern wird gerade der letzte Punkt in Supermärkten künftig sichtbar sein?
Das kommt auf die Kategorie an. Nehmen wir Südfrüchte, hier könnte es zu großen Veränderungen kommen. Besonders herausfordernd sind jene Rohstoffe oder Produkte, wo es keine stabilen Lieferketten gibt.

2023 gab es medial große Aufregung rund um ein Thema, Stichwort Tod des Barcodes. Welche Rolle schreiben Sie dem 2D-Code zu?
Den 2D-Code gibt es seit Jahrzehnten. Die Pharma-Branche ist etwa komplett darauf umgestiegen. 2D-Codes sind robuster, moderner und mächtiger. In einem EAN-13 Strichcode kann ich 13 Nummern vercodieren. Die Frage ist: Was brauche ich am POS? Will ich zum Beispiel auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum verschlüsselt haben? Das könnte etwa die Arbeit in der Filiale erleichtern indem der Code gescannt wird und das MHD nicht gelesen werden muss. Ein Handscanner könnte dann zum Beispiel anzeigen, ob das Produkt bald abläuft und verbilligt wird. Ein österreichischer Händler hat ähnliches bei Eiern umgesetzt, um im Salmonellen-Fall Chargen sperren zu können. Ein weiterer positiver Faktor des 2D-Codes ist die mögliche Inter­aktion mit dem Kunden. Unsere Vision ist es, mit einem multifunk­tionalen Code alles abzudecken. Auch entlang der Supply Chain ist es interessant, Stichwort 2D-Codes auf Umverpackungen. 

Wie nahe sind wir diesem Szenario in Österreich? 
Österreich ist hier sehr weit, viele andere Länder sind das nicht. Aber: Der EAN-13 soll nicht eingestampft werden, das ist nicht unser Interesse. Und es wäre kontraproduktiv gegenüber jedem Lieferanten, der exportiert. Ab 2027 können in jedem Fall auch nur mehr 2D-Codes gedruckt werden, müssen aber nicht. Das war das große Missverständnis. 

2025 wird in Österreich das Einwegpfand umgesetzt. Wird hier GS1 als Identifikationssystem verwendet?
Ja, die „Recycling Pfand Österreich“ wird den EAN-13 verwenden, was uns sehr freut. Er gibt, unter anderem, Auskunft darüber, ob das Produkt bepfandet ist. Denn man muss bedenken, dass Produkte nur für den österreichischen Markt bepfandet sein müssen. Um hier Missbrauch zu vermeiden, gibt es etwa das Pfand­logo.

Beim Thema Stammdatenservice gibt es heuer angebotsseitig Zuwachs. Wie unterscheidet sich GS1 Austria vom Mitbewerb?
Im Wesentlichen in drei Punkten: Wir sind neutral und müssen das auch sein, wir haben keinen präferierten Händler. In unserem Beirat sind Vertreter unterschiedlichster Händler. Wir bieten eine Dienst­leistung an, die starke Lock-In-Effekte hat. Hinzu kommt: Wir sind fokussiert auf die Anforderungen des österreichischen Marktes. Und: Bei uns muss es nicht nur Daten, sondern Qualitätsdaten geben. Wir beschäftigen uns mit jedem Dateneinsteller, halten Daten aktuell und vollständig. Wir bieten mehr als nur Infrastruktur. 

Wo sehen Sie noch Wachstums­potenziale für GS1 Austria?
Wir haben eine enorm hohe Ab­deckung im FMCG-Bereich. Da sind wir in einem reifen Markt. Auch das Bahnwesen hat eine erfreuliche Entwicklung genommen. Potenziale sehe ich etwa im Gesundheitswesen, den Technical Industries und im Investitionsgüterbereich. 

Danke für das Gespräch!


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